Vils-Engtal: Vilstalradweg, Granitrundweg, historische Aufnahmen, Naturfotografie

Der Vilstalradweg durch das Naturschutzgebiet Vils-Engtal verläuft am linken Vilsufer

An der Einfahrt zum Vilsengtal geht es an der Kapelle Grafenmühl vorbei
(Foto H. Kehrer)

Das Vilsengtal beginnt mit Grafenmühl
(Foto H. Kehrer)

Grafenmühl auf einer Aufnahme von 1903.
Links im Bild das Wirtshaus für die Granitarbeiter, rechts das E-Werk, das etwa ab 1915 den Kahlhamer-Bruch
(das Gebiet des heutigen Taferlsees) mit Strom versorgte
(Stadtarchiv Vilshofen)

Grafenmühl im Vilshochwasser am 9.6.1954
(Slg. H. Kehrer)

Der Radweg im Vils-Engtal verläuft teilweise ganz nahe am linken Vilsufer.
Das Durchbruchtal der Vils durch den südlichen Randbereich des Bayerischen Waldes von der Mattenhamer Brücke abwärts bis Auhof ist seit 1997 als Naturschutzgebiet  „Vils-Engtal“ geschützt.
Es gibt Blausterne, Feuersalamander und Schlingnattern.

Vor der Taferlkapelle führte zunächst eine alte Holzbrücke, dann eine Stahlbrücke für die Industriebahn über die Vils.

Die Taferlkapelle hat ihren Namen nach einer alten, in der Nähe gelegenen Flurbezeichnung "Taferl" am linken Vilsufer.
Später wurde der Ausdruck Taferl für diesen Bereich des Vilsengtales beidseits der Vils übernommen
(Slg. H. Kehrer)

Luftbild des städtischen E-Werks Schlehberg.
Es versorgte ab 1912 Stadt Vilshofen und Granitbrüche des Vils-Engtals mit elektrischem Strom
(Foto H. Kehrer)

Das städtische E-Werk vor Vilshofen, links die Fischtreppe

Die Wasserschnecke in der Bildmitte nutzt das zum Erhalt der vorgeschriebenen Fließgeschwindigkeit erforderliche Restwasser der Vils zur Energiegewinnung.

Blick vom Vilstalradweg auf das Kloster Schweiklberg mit seiner ursprünglich im Jugendstil erbauten Kirche

Ein paar hundert Meter auf dem Weg weiter kommt die Danubiamühle.
Urkundlich bekannt ist sie seit 1281, 1885 erhielt sie den Namen Danubia Walzmühle.
1907 wurde die erste Stromturbine eingebaut.
(Slg. K. Bradl)

Briefkopf der Danubia Walzmühle AG von nach 1920.
Eine eigene Seilbahn brachte die Mühlenerzeugnisse ans rechte Vilsufer zum Bahnanschluss.
Die Liason des Besitzers mit einer Zirkusreiterin führte zum Niedergang des Betriebes.
Seit 1932 gehört sie zu 100% dem Kloster Schweiklberg
(Slg. H. Kehrer)

1950 folgte eine Modernisierung der Generatoren.
Hier gewinnt das Kloster Ökostrom für den Eigenbedarf
(Slg. H. Kehrer)

Auf der rechten Flussseite mit dem Taferlsee sind die meisten Stationen des 2015 eröffneten "Granitrundweges" mit den Infotafeln zur ehemaligen Granitindustrie

Zu deren Besuch muss man den am linken Ufer verlaufenden Vilstalradweg verlassen
und über die Brücke bei Mattenham auf die rechte Vilsseite wechseln.
In der Blütezeit - um 1915 - gab es im Vils-Engtal 16 bewirtschaftete Steinbrüche,
die jährlich 5000 Waggonladungen produzierten.
Diese Vilstaler Granitsteine eigneten sich wegen Ihrer Härte und Spaltbarkeit besonders als Pflastersteine.
Sie wurden deshalb unter insgesamt 55 Bewerbern 1860 für die Maximilianstraße und Maximilianbrücke in München ausgewählt, ein überzeugendes Werbeargument für die nächsten Jahrzehnte.

Ein guter Startpunkt für die Rundwanderung ist der Parkplatz an der Mattenhamer Brücke.
Hier steht eine Lore. wie sie früher auf der Industriebahn im Einsatz waren.
Der Rundweg ist auch fahrradgeeignet, E-Bike-Fahrer haben aber an der Rampe des E-Werkes Schlehberg Probleme

Die Gleise der Industriebahn reichten früher bis zum damaligen Mattenhamer Bahnhof.
Diese Lok der Granitbahn steht vor den Werkhütten des Kahlhamer Bruchs, rechts im Bild die damalige Schmiede

Nach dem ehemaligen Mattenhammer Bahnhof überqueren die Brücken der ehemaligen Lokalbahn Vilshofen - Aidenbach im Vordergrund
und die Brücke für die frühere Schmalspur-Industriebahn im Hintergrund den Liessinger Bach
(Foto H. Kehrer)

Unter dieser Lokalbahnbrücke hindurch verlief die Abzweigung der Schmalspurbahn in den Kahlhamer-Bruch,
heute erreicht man über diesen Weg den Taferlsee
(Foto H. Kehrer)

Der Taferlsee entstand durch Granittagebau, der 1939 eingestellt wurde.
Er war maximal 20 m tief; nach teilweiser Verfüllung beträgt die Wassertiefe heute noch etwa 11 m.
( Taferlsee vor Vils Engtal 48.608597,13.142645 - Google Maps )
(Stadtarchiv Passau, Luftbildsammlung Donatus Moosauer)

Der Weg an den Taferlsee.
Bei trockenem Wetter läßt sich der See auf einem Trampelpfad umwandern
(Foto H. Kehrer)

Den Granitabbau im Vils-Engtal begann 1856 ein Vilshofener Lehrer, der die wirtschaftliche Bedeutung der 1860 neu eröffneten Bahnlinie Passau - Regensburg frühzeitig erkannte und aus einem Steinbruch am linken Vilsufer Steine für den Bau lieferte.
Anfangs wurden die Steine mit Pferdefuhrwerken transportiert.
1866 arbeiteten bereits über dreihundert Beschäftigte in der Granitindustrie des Vilsengtales.
Ab 1867 erleichterte eine Pferderollbahn am linken Vilsufer bis Vilshofen den Transport zur Bahnstation.
Ab etwa 1880 wurden Dampfloks auf der Schmalspurbahn eingesetzt und diese ans rechte Vilsufer verlängert.
(Aufnahme Laudi)

Der Taferlsee ist der größte Steinbruchsee der bis 1943 bestehenden Großbaustelle.
Eine starke Seilwinde musste die Lokomotiven aus dem tiefen Kessel herausziehen.
Diese Ansichtskarte vom Taferl ist von vor 1907
(Stadtarchiv Vilshofen)

Steinbrucharbeiter mit ihren Werkzeugen; sie kamen meist aus den Dörfern der Umgebung
(Stadtarchiv Vilshofen)

Abgebaut wurde im Kahlhamer Bruch bis zwanzig Meter unter die Bodenoberkante,
dann musste der Abbau aufgegeben werden,
da die Menge des eindringenden Grundwassers nicht mehr abgepumpt werden konnte:
Brunnen im nahegelegenen Liessing waren teilweise trockengefallen.
(Stadtarchiv Vilshofen)

Der Steinbruch war durch Gleise der Industriebahn erschlossen,
die Material zum Bahnhof Taferl brachte
(Stadtarchiv Vilshofen)

Taferl-Arbeiter, aufgenommen in den 1930ern

Erhalten hat sich diese Taschenuhr von 1912
(Aufnahme H. Kehrer)

IN ANERKENNUNG
langjähriger
Treuer Dienste gewidmet
Herrn Michael Rauch
von der Bayer. Granit A.-G. Regensburg
1886 - 1912
(Aufnahme H. Kehrer)

Der Steinbeisser (Quetschwerk) des Kahlhamer-Bruchs.
Das Material wurde mit der Industrie- und Lokalbahn abtransportiert.
Der Krater wurde teilweise mit Abraummaterial aus den Randbereichen wieder aufgefüllt,
in der Mitte lief er mit Grundwasser voll, es entstand der Taferlsee.
(Stadtarchiv Vilshofen)

Unglückfsfälle mit tödlichem Ausgang waren keine Seltenheit.
Am 15.4.1896 zertrümmerte ein herabfallender Stein dem Steinhauer Weinzierl von Pleckenthal den Schädel
(Landauer Bote und Anzeiger vom 18.4.1896)

Steinbrucharbeiter schlagen ein Bohrloch für die nächste von täglich zwei Sprengungen.
Am 25. Mai 1890 kam der Steinhauer Schwanzl ums Leben, als er nach einer Fehlzündung das Bohrloch mit Sprengstoff nachlud.
Verwendet wurden bis zu 50 kg Schwarzpulver pro Sprengung
(Stadtarchiv Vilshofen)

Das Aufarbeiten der riesigen Blöcke dauerte teilweise Monate
(Stadtarchiv Vilshofen)

Anfänglich wurden die Bruchstücke per Hand auf Pferde-Loren verladen
(Stadtarchiv Vilshofen)

Dann folgte maschinelle Unterstützung.
In der Blütezeit produzierten vermutlich 8 Spalthämmer Pflastersteine
(Stadtarchiv Vilshofen)

Nach Abschalten des Pumpwerkes und Aufgabe der Steinbrucharbeiten um 1943
füllte sich der Kahlhamer Bruch mit Grundwasser und es entstand der heutige Taferlsee
(Slg. H. Kehrer)

Blick auf Grafenmühl vom rechten Vilsufer aus (Aufnahmedatum unbekannt)
(Slg. H. Kehrer)

Flussabwärts folgte dem Kahlhamer-Bruch der Schneider-Bruch.
Der Tunnelausgang der früheren Industriebahn ist erhalten, das Ende jedoch zugemauert
(Foto H. Kehrer)

Über den Tunnel fließt das Wasser eines kleinen Wasserfalls des Schneider-Bruchs ab
(Foto H. Kehrer)

Vor dem Abtransport wurden die Steine wurde mit einer Waage, deren Reste noch zu sehen sind, gewogen
(Foto H. Kehrer)

Am Verladebahnhof Taferl befand sich eine elektrischen Schotterquetsche, deren Fundament erhalten ist
(Foto H. Kehrer)

Lokomotive am Bahnhof Taferl vor dem Steinbeisser
(Stdtarchiv Vilshofen)

Mit der Eröffnung des Bahnhofs Taferl 1897 wurde die vorhandene Schmalspurbahn zum Zubringer.
Die unterschiedlichen Spurweiten sind deutlich zu erkennen
(Stadtarchiv Vilshofen)

Das alte Transformatorenhäuschen erhielt eine neue Bestimmung
(Foto H. Kehrer)

Es wurde im Rahmen der Renaturierung in ein Tierhotel umgebaut.
Im Erdgeschoss finden Reptilien Unterschlupf,
im Obergeschoss können Fledermäuse, Eulen und Turmfalken rasten und nisten
(Foto H. Kehrer)

Anschließend kam der Mühlhamer Bruch mit einer dampfbetriebenen Schotterquetsche,
Rest des Gebäudes des Steinbeissers stehen noch
(Foto H. Kehrer)

Am linken Ufer hatte der Granitabbau begonnen. Der Abtransport erfolgte zunächst mit Fuhrwerken,
dann mit einer Pferderollbahn, schließlich mit einer Schmalspureisenbahn bis zum Bahnhof Vilshofen.
Mit dem Ausbau der Granitsteinbrüche am rechten Vilsufer wurde die Strecke mittels einer Holzbrücke im Bereich des Mühlhamer-Bruchs ans rechte Ufer verlängert
und erhielt am Bahnhof Taferl Anschluss an die Lokalbahn Vilshofen - Aidenbach.
Am 1. Februar 1908 um 6:45 stürzte die Holzbrücke unter der Last des ersten Zuges ein.
Ursache war die Beschädigung durch Eisschollen in der vorhergehenden Nacht
(Stadtarchiv Vilshofen)

Der Heizer ertrank, Der Lokführer verlor im eiskalten Wasser das Bewußtsein, wurde aber von einem Streckengeher gerettet
(Stadtarchiv Vilshofen)

Die Lokomotive wurde geborgen und vermutlich wieder eingesetzt
(Stadtarchiv Vilshofen)

Die alte Holzbrücke wurde durch eine Stahlkonstruktion wenige Meter weiter flußaufwärts ersetzt
(Stadtarchiv Vilshofen)

In der Nähe der alten Brücke konnten die Arbeiter in der Taferlwirtschaft (im Hintergrund) einkehren.
Sie wurde 1994 abgebrochen.
Das Gebäude an der Vils war der Lokschuppen
(Stadtarchiv Vilshofen)

Der Kalvaribruch wurde 1943 als letzter aufgegeben.
Hier stand ein elektrisch betriebener Spalthammer.
Zu sehen sind noch die Außenmauern der ehemaligen Elektrizitätszentale
(Foto H. Kehrer)

Das Trafohäuschen verfiel über Jahrzehnte
(Stadtarchiv Vilshofen)

2013 gestalteten Mitglieder der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Vilshofen
die alte Trafostation in eine Barbarakapelle um
(Foto H. Kehrer)

Die Einweihung erfolgte am 7.12.2013.
St. Barbara, eine der drei weiblichen Nothelferinnen, ist die Schutzpatronin der Artilleristen (Böllerschützen) und der Steinhauer
(Foto H. Kehrer)

Mit der Barbarakapelle wird auch der in den Steinbrüchen ums Leben gekommenen französischen Zwangsarbeiter des II. Weltkrieges gedacht.
Die Figur der Hl. Barbara ist ein Werk des Aidenbacher Schnitzers Schafflhuber
(Foto H. Kehrer)

Daneben lädt ein gemütlicher Rastplatz zum Verweilen
(Foto H. Kehrer)

Eine Fahrradrampe am E-Werk Schlehberg erleichert Radlern das Wechseln auf die linke Vilsseite


 

Flora und Fauna des Naturschutzgebietes Vilsengtal

Der Granitabbau führten zu massiven Veränderungen des Landschaftsbildes,
Die mit uralten Bäumen bewachsenen Hänge wurden fast vollständig gerodet.
Der Aufgabe des Granitabbaus folgte eine natürliche Renaturierung mit Wiederbewaldung.
Jetzt gibt es hier wieder Blausterne, Feuersalamander und Schlingnattern.

Es finden sich naturnahe Wälder, Felsbereiche und Quellaustritte.
Eine artenreiche Vogelwelt wird gezielt gefördert
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

Beispiel Bekassine (Gallinago gallinago):
Der Fortbestand schutzbedürftiger Pflanzen- und Tierarten
und ihrer Lebensgemeinschaften soll hier gesichert bleiben
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

Ziel der Renaturierung war es, eine Restdynamik der
Vils zu erhalten und auf eine Verbesserung der Wanderungsmöglichkeiten für
wassergebundene Tiere hinzuwirken
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

Schlüsselblumenwiese
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

Naturnaher Waldbau fördert hier eine lichte, struktur- und artenreiche Hartholzaue
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

Schönheit, Vielgestaltigkeit und Eigenart des Landschaftsbildes
mit einem besonderen Erlebniswert werden hier erhalten
(hier ein Knöterichbestand)
(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)

(Aufnahme Wasserwirtschaftsamt Deggendorf)


zuletzt geändert am 19.01.2016, 20:57

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