Die sechs ehemaligen Eichendorfer Brauereien - 70 Bilder und Dokumente einer Spurensuche

Früher hatten die Eichendorfer die Wahl zwischen Bieren aus sechs örtlichen Braustätten,
die zeitweise den Hopfen in eigenen Hopfengärten ernteten.
Üblich war braunes Bier, das heutige Dunkle.
Außerdem gab es einen Weißbräu.
Die meisten hatten ihre Sommer- oder Lagerkeller, da braunes Bier bei den sommerlichen Temperaturen nicht gebraut werden konnte.
Dieses den Sommer über gereifte Bier wurde dann ab Herbst als Altes Bier (das spätere Märzenbier - im März gebraut) getrunken.

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Die Brauerei Steigenberger, früher die Hausnummer 4,  heute Nr. 5, wurde zur Brauerei Staudinger,
dann zum Gasthaus Tattenberger.
Heute steht dort das Rathaus

Bierbräuer in der Hausnummer 4 war 1844 Johann Nepomuk Steigenberger.

Er musste an die Expositur Eichendorf (eine Filialkirche Dornachs) Blutzehent entrichten.
Von Gänsen, Enten, Hühner, Schweinen, Lämmern dann von jeder Kuh 1 Kreuzer Geldabtrag.
Wahrscheinlich bedeutete dies, das jede 10. Gans, Ente ... an die Expositur abgeliefert werden musste,
Pro Kuh wurde jährlich ein Geldbetrag von einem Kreuzer fällig.
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Joh. N. Steigenberger, ehemaliger Bierbräuer, verschied sanft am 10. Juli 1866 im 80. Lebensjahr.

Der Familie Steigenberger folgten als Besitzer Mathias Brunner und die Familie Staudinger.
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Einladung zum Tanzkränzchen in den Lokalitiäten des Herrn Joseph Staudinger am 13.2.1898
(Slg. H. Held)

Die Familie Staudinger und ihre Mitarbeiter um 1900; aus den Fenstern im 1. Stock schauen die Bräuburschen.
1901 endete die Brautradition.
(Slg. H. Held)

Die Bierhalle des Herrn Staudinger für Veranstaltungen der Eichendorfer Vereine (um 1910)
(Slg. H. Held)

Der zugehörige Sommerkeller lag an der Straße Zum Anger, auf dem Grundstück baute später Dr. Aicher seine Villa.

Jetzt ist dort eine Tierarztpraxis.
Das Gebäude der alten Kegelbahn steht noch entlang der Seitenstraße Zum Anger.

1912 gehört das Gasthaus Ludwig Tattenberger; er lädt ein in die große Bierbude am Volksfestplatz.
Ausgeschenkt wird jetzt Arcobier.
(Landauer Bote und Anzeiger vom 30.8.1912)

Mitten im Ersten Weltkrieg: Weltkino im Tattenbergersaal mit lebenden Kriegsbildern
(Landauer Bote und Anzeiger vom 31.3.1916)

In einem Nebengebäude des Gasthauses Tattenberger war die Heimat des Musikalischen Vereins, hier eine Aufnahme der Mitglieder einschließlich Sängern und Orchester aus dem Jahr 1930,
u. a. mit dem Göldschmied und Bildhauer Michael Steinböck (1. Reihe ganz links)
(Slg. L. Lorenz)

Die letzte Besitzerin, die kinderlose Frau Anna Tattenberger, vermachte ihren Besitz der Gemeinde Eichendorf, die hier das heutige Rathaus erbaute.

Als Dank richtete die Gemeinde im 1. Stock ein Tattenberger-Gedächtniszimmer ein.

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Auf dem Nachbargrundstück war der Postbräu, die frühere Hausnummer 5, heute Nr. 7

Der Schlussstein des Torbogens des 1835 erbauten Gebäudes des Postbräus.

1844 steht als Besitzer dier Hausnummer 5 der Bierbräuer Xaver Trost im Grundsteuerkataster
(Staatsarchiv Landshut)

Die Post-Relaisstation (nur Pferdewechsel) des täglich verkehrenden Post-Eilwagenkurses von München über Taufkirchen, Velden (hier ein Poststall mit 8 Pferden), Vilsbiburg nach Passau wird 1845 zur Postexpedition mit Brief- und Fahrpostdienst.

1849 führt Bayern die ersten deutschen Briefmarken ein (u. a. den Schwarzen Einser).
Eichendorf wird 1850 der offene Mühlradstempel mit der Ortsnummer 68 zugeteilt.

Ausgabe-Schein über Postanweisung Nr. 143 vom 17.2.1885

Stempel der Eichendorfer Post vom 17.2.1885, er wurde nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr angebracht

Auf die Familie Trost folgen als Brauereibesitzer die Siegl.
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Eine große Leich ist die Beerdigung des erst kurz verheirateten, 26 Jahre alten, beliebten königlichen Poststallhalters und Bierbrauereibesitzers Franz Siegl am 18.3.1897.
Sein Sarg wird von vier Postillionen in Galauniform zu Grabe getragen
(Landauer Bote vom 23.3.1897)

Vor Erbauung der Eisenbahnlinie Landau - Arnstorf gibt es von hier eine direkte tägliche Verbindung mit der Postkutsche zur Bahnstation Landau. Fahrzeit 2 1/2 Stunden
(Fahrplan vom 8.1.1896)

Nach dem frühen Tod des Franz Siegl wurde die junge Witwe Besitzerin.
Sie verkaufte dann an Sebastian Wolferseder
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Von 1901 bis 1922 führt Sebastian Wolferseder die Brauerei fort.
Auf dieser Aufnahme von ca. 1910 warten zwei Postkutschen mit Postillionen.
(Slg. Cafe Held)

Auch Fohlen werden hier gehandelt
(Landauer Bote und Anzeiger vom 25.6.1914)

Mit der Mobilmachung bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden auch zwei "Postillone" eingezogen
und Herr Wolferseder sucht Ersatz
(Landauer Bote und Anzeiger vom 5.8.1914)

Nach Inbetriebnahme der Bahnlinie Landau - Arnstorf fährt die Postkutsche zur Anschlussstelle Aufhausen.
Der Winterfahrplan der Pferdepost Aufhausen - Eichendorf 1914/15

Auf Wunsch der Bevölkerung gibt es vorübergehend auch eine Pferdepostverbindung Eichendorf - Plattling.
Hier der Fahrplan 1914/15. Wegen mangelnder Nachfrage wird die Linie bald wieder eingestellt. 

Der Sommerkeller der Brauerei Wolferseder stand etwa dort, wo heute die Straße nach Mariakirchen abzweigt (Foto ca. 1920)
(Slg. Cafe Held)

Sebastian Wolferseder, ehemaliger Posthalter und Brauereibesitzer, verstirbt am 4.1.1932.
Mit in sein Grab in Eichendorf gelegt wird das von Dr. Aicher amputierte Bein einer Adldorferin.

Das Anwesen wird von Herrn Baierl aufgekauft.
Dss Ehepaar Renner im Schlitten vor dem Gasthaus zur Post der Brauerei Baierl (1933)
(Slg. Kapfinger)


Heute gehört das Gebäude der Gemeinde Eichendorf.
Nach gründlicher Sanierung stehen die Räumlichkeiten wieder für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

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Die "Braustatt" Weileder (Bergerwirt), früher Hausnummer 7, heute Nr. 9

Zwei Häuser weiter, in der damaligen Hausnummer 7, ist 1844 der Bierbräuer Johann Renner eingetragen
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Am 7. Dezember 1852 wird Graf Arco auf Valley Besitzer des Anwesens mit Bräuhaus, Brunnen und realer Bräugerechtigkeit.
Als Adldorfer Brauereibesitzer hat er an einer zusätzlichen Braustätte in Eichendorf sicher kein Interesse.
(Staatsarchiv Landhut, Grundsteuerkataster)

Nächster Eigentümer ist Weileder Georg, nach der Heirat zusammen mit seiner Frau Methilde.
Er wird später an Reichenwallner Alfons und Franziska verkaufen.
(Staatsarchiv Landhut, Grundsteuerkataster)

Am 29.3.1878 stirbt die vier Wochen alte Mathild des Wirths Weileder.
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )
Dieser Eintrag im Eichendorfer Tauf- und Sterberegister belegt, dass die Brauerei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existiert.
Auch am 15.8.1882 wird Weileder als "Gastgeber" (= Wirt) erwähnt.

Der von Berg kommende Georg Weileder stirbt am 8. Juli 1913 im 63. Lebensjahr.
Er wird auf dem Eichendorfer Friedhof beerdigt.
Das Gasthaus Weileder (Bergerwirt) wird von Familie Reichenwallner übernommen.

Aufruf zur Gründung des Pferdezuchtverein beim Alfons Reichenwallner (Bergerwirt) 1926
(Landauer Bote und Anzeiger vom 9.3.1926)

Das Gasthaus Reichenwallner ( vor 1950?)
(Slg. H. Dietl)

2016 wiird das alte Haus abgerissen, stattdessen werden Eigentumswohnungen gebaut.

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Am Marktplatz 16 braut Johann Apfelbeck, später, von 1874 bis zum 10.12.1910, Mathias Lang

In der damaligen Hausnummer 16 ist 1844 als Vorgänger von Mathias Lang
Johann Apfelbeck als Bierbräuer eingetragen.
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Herr Lang stellt den Braubetrieb in Eichendorf anläßlich eines Bierstreiks ein.
Der Lang´sche Sommerkeller war in unmittelbarer Nachbarschaft des Baierlbräu-Sommerkellers.
Auf dieser Fotografie um 1930 betreibt bereits Herrr Kajetan Greiner eine Gerberei in dem Anwesen
(Slg. Cafe Held)

Zusätzlich hatte der Langbräu einen Lagerkeller, den Peppikeller, genannt nach Frau Lang, sie hatte den Vornamen Josepha und wurde Peppi genannt.
Dort werden bei Kellerfesten mit Tanz auch Hunderennen und Sackhüpfen veranstaltet.
(Aufnahme von 1913, Slg. Cafe Held)
Herr Lang übernimmt später eine Brauerei in Reisbach.

Vorübergehend besitzt Graf Arco den Betrieb, Nachfolger ist Josef Sträußl, der an Kajetan Greiner weiter verkauft.
In dem Gebäude finden sich dann Gerberei und Schuhgeschäft Greiner,
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

2017 ist in dem Haus ein Pflegedienst.
Aber das Salamanderschild an der Fassade erinnert noch an frühere Zeiten.

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Das Braurecht der späteren Brauerei Reichenwallner (frühere Hausnummer 17, heute Nr.14)
besteht nachweislich seit 1650.
Die Reichenwallner als bürgerliche Bierbrauer in Eichendorf gibt es schon im 18. Jahrhundert.
1906 übernimmt Johann Baierl die Braustätte.

Am 25.9.1780 ist im Eichendorfer Sterbebuch eingetragen, dass Franz Joseph Reichenwallner,
Sohn des bürgerlichen Bierbrauers von hier, verstorben ist
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )

Am 24. März 1793 vererbt die Mutter Christina Reichenwallner ihrem Sohn Mathias den Besitz
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Am 7.4.1797 stirbt der Sohn Matthäus des bürgerlichen Bierbrauers Matthias Reichenwallner
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )

1844 ist Mathias Reichenwallner der Bierbräuer,
am 10. November 1845 übernimmt sein Sohn Eduard Reichenwallner das Burglehen mit realer Bräugerechtigkeit.
(Staatsarchiv Landshut)

Eduard Reichenwallner heiratet am 10.3.1847 im Alter von 21 Jahren die Wirthstochter Elisabethe Pott
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )

Seine Initialen E R mit der Jahreszahl 1849 finden sich auch 2017 noch am Torbogen des Durchgangs zur Pizzeria.

Als Dank für die Errettung des 7jährigen Töchterchens Elise vor einer schweren Brandverletzung spendet die Familie Reichewallner 1854 eine Votivtafel für die Holzkapelle

Auf Reichenwallner Eduard sen., gest. mit 52 Jahren am 23.10.1877, folgt Eduard Reichenwallner jun.;
er ist zwei Jahre jünger als seine Schwester Elise

Die Bierhalle des Eduard Reichenwallner um 1900
Mit 55 Jahren stirbt Eduard Reichenwallner nach dreitägiger Krankheit am 15.2.1905.

1905 kauft der aus Badersdorf stammende Bauer Johann Baierl die Brauerei
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Hier lädt der Obige 1912 zu fideler Bockmusik
(Landauer Bote und Anzeiger vom 8.2.1912)

Ein Vertreter mit Kutsche und Warenkoffer am 13.7.1925 vor Brauerei und Gasthof Baierl
(Slg. L. Lorenz)

Einladung zum ff. Bock 1926
(Landauer Bote und Anzeiger vom 11.2.1926)

Am 8.6.1926 zieht hier die Kapelle der Hoch- und Deutschmeister am Sommerkeller der Brauerei Baierl vorbei.
(Slg. H. Dietl)

Gasthaus und Brauerei Baierl (um 1930?)
(Slg. H. Dietl)

Noch heute erinnert der Schlussstein von 1938 über der Durchfahrt der Hausnummer 14 (früher 17)
mit Hopfen, Gerste und Braugerätschaften an die ehemalige Brauerei

Brauereibesitzer Hans Baierl sen. stirbt am 11.8.1939;
sein Nachfolger ist Baierl Hans jun,, geboren im Jahr des Brauereierwerbs 1906.

Das Stammhaus der Brauerei Baierl links im Bild auf einem Foto von 1950,
im Vordergrund ein Wegweiser zur Landpolizei Eichendorf
(Slg. L. Kriegl)

Briefkopf der Brauerei Baierl 1950.
Neben dem Sommerkeller gab es auch einen Biergarten, ein Salettl und eine Kegelbahn.
Später befindet sich hier ein Depot der Löwenbrauerei München,
(Slg. H. Dietl)

Bierfilzl der Brauerei Baierl (vor 1952).
Links das Brauhaus (gegenüber dem heutigen Pfarrzentrum), daneben der Sommerkeller,
das Stammhaus und der zugehörige Gutshof
(Slg. H. Dietl)

Briefkopf der Brauerei vor 1952
(Slg. H. Dietl)

1955: 50 Jahre Baierlbräu, Flaschenettiket Jubiläumsbock

Porzellan-Flaschenverschluss der Brauerei um 1960

Brauereischild

Die Brauerei mit einem Jahresausstoß von zuletzt 4375 hl stellt als letzte Eichendorfer Brauerei 1968 den Betrieb ein.
Sie wird zu einem Bierdepot der Münchner Löwenbrauerei.

Auf dem Eichendorfer Volksfest brüllt der Münchenr Löwenbräu-Löwe.
Hans Baierl verstirbt am 18.10.1981

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Die Eichendorfer Weißbierbrauerei

Und dann gab es zeitweise eine spezielle Weißbierbrauerei
in dr früheren Hausnummer 27, heute Nr. 2

Sträußl Josef und Maria kauften die ehemalige Metzgerei Sittersberger und richteten ein Brauhaus ein.
(Staatsarchiv Landshut, Grundsteuerkataster)

Josef Sträußl führte den Betrieb von 1909 bis 1937.
(Slg. H. Dietl)

Sträußl sen. stirbt am 3.11.1943 und wird auf dem Eichendorfer Friedhof begraben.

Bierfilzl des Weißen Bräuhauses (vor 1954)
(Slg. H. Dietl)

1937 bis 1954 verkauft Rudolf Sträußl weiter Selbstgebrautes im Weißen Brauhaus.
Eichendorfer Weißbier wird zeitweise bis Straubing verkauft.
1954 wird der Braubetrieb eingestellt.

In einem Nebengebäude werden weltberühnte Filme aufgeführt.
Die Gaststube wird für einige Jahre zur vielbesuchten Disco.

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Schäffler

An den 1862 mit 77 Jahren gestorbenen (Faß-)Binder Paul Hartl erinnert ein Grabstein auf dem Eichendorfer Friedhof

Das Grabmal des 1913 mit 47 Jahren verstorbenen Schäfflermeisters Georg Sturm auf dem Eichendorfer Friedhof

Schäfflermeister Josef Sturm mit Ehefrau und Tochter vor seinem Betrieb am Oberanger (1920)
Heute ist dort der Parkplatz der VR-Bank
(Slg. H. Dietl)

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Ein besonderer Dank an Herrn Helmut Dietl für die Zusammenstellung wesentlicher Daten!


zuletzt geändert am 16.09.2017, 12:36

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