Die fünf ehemaligen Eichendorfer Brauereien - eine Spurensuche

Früher hatten die Eichendorfer die Wahl zwischen Bieren aus fünf örtlichen Braustätten,
die zeitweise den Hopfen in eigenen Hopfengärten ernteten.
Üblich war braunes Bier, das heutige Dunkle.
Daneben gab es einen Weißbräu.
Alle hatten ihre Sommer- oder Lagerkeller, da bei den sommerlichen Temperaturen nicht gebraut werden konnte.
dieses den Sommer über gereifte Bier wurde dann ab Herbst als Altes Bier (das spätere Märzenbier - im März gebraut) getrunken.

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Das Braurecht der späteren Brauerei Reichenwallner besteht nachweisweislich seit 1650.
Die Reichenwallner als bürgerliche Bierbrauer in Eichendorf gibt es schon im 18. Jahrhundert.
1906 übernimmt Johann Baierl die Braustätte.

Am 25.9.1780 ist im Eichendorfer Sterbebuch eingetragen, dass Franz Joseph Reichenwallner,
Sohn des bürgerlichen Bierbrauers von hier, verstorben ist
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )

Am 7.4.1797 ist der Sohn Matthäus des bürgerlichen Bierbrauers Matthias Reichenwallner gestorben
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )

Votivtafel der Familie Reichewallner von 1854 in der Holzkapelle

1906 kauft der aus Badersdorf stammende Bauer Johann Baierl die Brauerei Reichenwallner.

Hier lädt der Obige 1912 zu fideler Bockmusik
(Landauer Bote und Anzeiger vom 8.2.1912)

Herzlicher Abschied vor Brauerei und Gasthof des Hans Baierl,
vormals Reichenwallner (vor 1938)
(Slg. L. Lorenz)

Einladung zum ff. Bock 1926
(Landauer Bote und Anzeiger vom 11.2.1926)

Noch heute erinnert der Schlussstein von 1938 über der Durchfahrt der Hausnummer 14 (früher 17)
mit Hopfen, Gerste und Braugerätschaften an die ehemalige Brauerei

Das Stammhaus der Brauerei Baierl links im Bild auf einem Foto von 1950,
im Vordergrund ein Wegweiser zur Landpolizei Eichendorf
(Slg. L. Kriegl)

Briefkopf der Brauerei Baierl 1950.
Neben dem Sommerkeller gab es auch einen Biergarten, ein Salettl und eine Kegelbahn.
Später befand sich das Löwenbräudepot,
(Slg. H. Dietl)

Bierfilzl der Brauerei Baierl (vor 1952).
Links das Brauhaus (gegenüber dem heutigen Pfarrzentrum), daneben der Sommerkeller,
das Stammhaus und der zugehörige Gutshof
(Slg. H. Dietl)

Briefkopf der Brauerei vor 1952
(Slg. H. Dietl)

Porzellan-Flaschenverschluss der Brauerei um 1960

Brauereischild

Die Brauerei stellte als letzte Eichendorfer Brauerei den Betrieb 1968 ein.

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Der Postbräu

Das 1835 erbaute Gebäude des Postbräus.
Die Post-Relaisstation (nur Pferdewechsel) des täglich verkehrenden Post-Eilwagenkurses von München über Taufkirchen, Velden (hier ein Poststall mit 8 Pferden), Vilsbiburg nach Passau wird 1845 zur Postexpedition mit Brief- und Fahrpostdienst.
2016 wird der Bau von der Gemeinde für öffentliche Veranstaltungen hergerichtet.

Ausgabe-Schein über Postanweisung Nr. 143 vom 17.2.1885

Stempel der Eichendorfer Post vom 17.2.1885, es wurde nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr angebracht

Eine große Leich war die Beerdigung des erst kurz verheirateten, 26 Jahre alten, beliebten königlichen Poststallhalters und Bierbrauereibesitzers Franz Siegl am 18.3.1897.
Sein Sarg wurde von vier Postillionen in Galauniform zu Grabe getragen
(Landauer Bote vom 23.3.1897)

Von 1901 bis 1922 führte Sebastian Wolferseder die Brauerei fort.
Auf dieser Aufnahme von ca. 1910 warten zwei Postkutschen mit Postillionen.
(Slg. Cafe Held)

Auch Fohlen wurden hier gehandelt
(Landauer Bote und Anzeiger vom 25.6.1914)

Mit der Mobilmachung bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden auch zwei "Postillone" eingezogen
und Herr Wolferseder suchte Ersatz
(Landauer Bote und Anzeiger vom 5.8.1914)

Der Winterfahrplan der Pferdepost Aufhausen - Eichendorf 1914/15

Die Pferdepostverbindung Eichendorf - Plattling 1914/15

Der Sommerkeller der Brauerei Wolferseder stand etwa dort, wo heute die Straße nach Mariakirchen abzweigt (Foto ca. 1920)
(Slg. Cafe Held)

Das Anwesen wurde von Herrn Baierl aufgekauft.
Dss Ehepaar Renner vor dem Gasthaus zur Post (1933)
(Slg. Kapfinger)


Heute gehört das Gebäude der Gemeinde Eichendorf.
Nach gründlicher Sanierung stehen die Räumlichkeiten für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

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Matthias Lang braute am Marktplatz 16 von 1874 bis zum 10.12.1910.

Herr Lang stellte den Braubetrieb in Eichendorf anläßlich eines Bierstreiks ein.
Der Lang´sche Sommerkeller war in unmittelbarer Nachbarschaft des Baierlbräu-Sommerkellers.
Auf dieser Fotografie um 1930 betreibt bereits Herrr Kajetan Greiner eine Gerberei in dem Anwesen
(Slg. Cafe Held)

Zusätzlich hatte der Langbräu einen Lagerkeller, den Peppikeller, genannt nach Frau Lang, sie hatte den Vornamen Josepha und wurde Peppi genannt.
Dort wurden bei Kellerfesten mit Tanz auch Hunderennen und Sackhüpfen veranstaltet.
(Aufnahme von 1913, Slg. Cafe Held)
Herr Lang übernahm später eine Brauerei in Reisbach.
In dem Gebäude findet sich dann die Gerberei und das Schuhgeschäft Greiner,
Jetzt ist in dem Haus ein Pflegedienst.

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Die Brauerei Staudinger wurde zum Gasthaus Tattenberger, heute steht dort das Rathaus

Am Marktplatz 5 braute von 1875 bis 1901 Herr Josef Staudinger.

Einladung zum Tanzkränzchen in den Lokalitiäten des Herrn Joseph Staudinger am 13.2.1898
(Slg. H. Held)

Die Familie Staudinger und ihre Mitarbeiter um 1900; aus den Fenstern im 1. Stock schauen die Bräuburschen
(Slg. H. Held)

Die Bierhalle des Herrn Staudinger für Veranstaltungen der Eichendorfer Vereine (um 1910)
(Slg. H. Held)

Der zugehörige Sommerkeller lag an der Straße Zum Anger, auf dem Grundstück baute später Dr. Aicher seine Villa.

Jetzt ist dort eine Tierarztpraxis.
Das Gebäude der alten Kegelbahn steht noch entlang der Seitenstraße Zum Anger.

1912 gehört das Gasthaus Ludwig Tattenberger; er lädt ein in die große Bierbude am Volksfestplatz.
Ausgeschenkt wird jetzt Arcobier.
(Landauer Bote und Anzeiger vom 30.8.1912)

Mitten im Ersten Weltkrieg: Weltkino im Tattenbergersaal mit lebenden Kriegsbildern
(Landauer Bote und Anzeiger vom 31.3.1916)

In einem Nebengebäude des Gasthauses Tattenberger war die Heimat des musikalischen Vereins, hier eine Aufnahme der Mitglieder einschließlich Sängern und Orchester aus dem Jahr 1930,
u. a. mit dem Göldschmied und Bildhauer Michael Steinböck (1. Reihe ganz links)
(Slg. L. Lorenz)

Die letzte Besitzerin, die kinderlose Frau Tattenberger, vermachte das Anwesen der Gemeinde Eichendorf, die hier das heutige Rathaus erbaute. Als Dank richtete die Gemeinde im 1. Stock eine Tattenberger-Gedächtniszimmer ein.

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Die Eichendorfer Weißbierbrauerei

Und dann gab es noch seit Jahrhunderten eine spezielle Weißbierbrauerei:
Jakob Weileder betrieb von 1872 bis 1909 am Marktplatz 2 die Weißbierbrauerei.
Josef Sträußl führte den Betrieb von 1909 bis 1937 weiter.

Bierfilzl des Weißen Bräuhauses (vor 1954)
(Slg. H. Dietl)

1937 bis 1954 verkaufte Rudolf Sträußl Selbstgebrautes im Weißen Brauhaus.
Das Weißbier wurde zeitweise bis Straubing verkauft.

In einem Nebengebäude wurden weltberühnte Filme aufgeführt.
Die Gaststube wurde für einige Jahre zur vielbesuchten Disko.

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Gab es eine Braustatt Weileder (Bergerwirt)?

Am 29.3.1878 stirbt die vier Wochen alte Mathild des Wirths Weileder.
( Matricula  von dort zu Deutschland / Bistum Passau / Eichendorf )
Dieser Eintrag im Eichendorfer Tauf- und Sterberegister spricht gegen die diskutierte Bräustatt Weileder.
Am 15.8.1882 wird Weileder als "Gastgeber" (= Wirt) erwähnt.
Das Gasthaus Weileder (Bergerwirt) wird später von Familie Reichenwallner übernommen.

Aufruf zur Gründung des Pferdezuchtverein beim Alfons Reichenwallner (Bergerwirt) 1926
(Landauer Bote und Anzeiger vom 9.3.1926)

2016 wiird das alte Haus abgerissen, stattdessen werden Eigentumswohnungen gebaut.

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Schäffler

Auf dem Eichendorfer Friedhof erinnert ein Grabmahl an den 1913 verstorbenen Schäfflermeister Georg Sturm.

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Ein besonderer Dank an Herrn Helmut Dietl für die Zusammenstellung wesentlicher Daten!


zuletzt geändert am 05.02.2017, 09:35

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