Die Geschichte des Vilstals

Die erste Menschenart in unserem weiteren Umkreis waren die Heidelbergmenschen (homo heidelbergensis), die vor 600.000 bis ca. 200.000 vor Christus nachweisbar sind. Sie waren die letzten gemeinsamen Vorfahren von Neandertalern und modernen Menschen.

Vor 130.000 bis vor 30.000 Jahren lebten in Europa, ihrem Hauptsiedlungsgebiet, Neandertaler (homo neanderthalensis). Als die Population gemäß Genanalysen auf ca. 10.000 Menschen gefallen war,  das entspricht einem Menschen pro 1000 Quadratkilometer (statistisch gesehen lebten also im 1500 qkm großen Vilseinzugsbereich 1,5 im Vilstal) war diese Steinzeitpopulation schließlich zahlenmäßig nicht mehr überlebensfähig. Eine drastische Klimaabkühlung und eine Geburtenrate von nur 1 Kind pro Frau alle vier Jahre führten zum Aussterben dieser Menschenart. Der letzte Neandertaler lebte wahrscheinlich auf Gibraltar. Der nächstgelegene, mit einem Neandertaler in Verbindung gebrachte Fund stammt aus Schweiklberg an der Vilsmündung (Schaber, ca. 120.000 Jahre alt). Ansonsten gibt es im Vilstal keine alt- oder mittelsteinzeitlichen Funde.

Einhergehend mit dem Aussterben der kleinen Neandertaler (die Frauen waren ca. 1,25 m groß) , die ein größeres Hirnvolumen als wir hatten, verzehnfachte sich in der Übergangszeit zum jüngeren Abschnitt der eurasischen Altsteinzeit die Bevölkerung Europas in kurzer Zeit auf ca. 100.000 durch seit ca. 40.000 v. Chr. aus dem Osten (donauaufwärts) einwandernde moderne Menschen (Homo sapiens), deren direkte Nachkommen wir heute sind. Die Kontakte zwischen Neandertalern und modernen Menschen waren so eng, dass etwa 2 % unserer Gene von Neandertalern stammen.
(Unter Verwendung der SZ vom 29.7.2011 S. 7, Der letzte Neandertaler).

Der moderne Mensch hatte sich in Ostafrika entwickelt und wäre im Rahmen von Klimaveränderungen um 120.000 vor unserer Zeitrechnung fast ausgestorben. Ausgehend von ein paar hundert in Südafrika Überlebenden dieser Art kam es von dort aus dann zu einer Ausbreitung über die ganze Welt.  Bereits 35.000 vor Christus erfolgte in Europa eine steinzeitliche Kulturexplosion (z. B. Skulpturen aus dem Ur-Donautal, Fundstelle Hohle Fels mit Flöten, geschnitzten Wasservögeln, einem geschnitzten Mammutkalb und menschlichen Figuren). Etwa zur gleichen Zeit entstanden die 1994 entdeckten Höhlenmalereien der Grotte von Chauvet.

Venus aus der Karsthöhle vom Hohlefels, ca. 35000 v. Chr.

Das Vilstal entstand vor etwa 30-40000 Jahren durch Schmelzwasser zwischen den Eiszeiten.

An der Vilsmündung fanden sich 25.000 Jahre alte Spuren eines Zeltlagers von Altsteinzeit-Jägern (steinerne Widerhaken von Speeren), die hier in der Tundra Mammuts jagten oder später, vor etwa 16.500 Jahren Rentiere erlegten. In dieser Zeit (etwa 16.000 v. Christus) enstanden die bekannten Höhlenmalereien in Spanien und Frankreich, z. B. von Lascaut.

Aufgrund eines Klimawandels vor 10.000 Jahren entwickelte sich im Vilstal Urwald. Eine Warmzeit begann.

Entlang der Donau wanderten um 6.000 v. Chr. aus dem Osten die ersten Bauern ein (Linearbandkeramiker). Sie rodeten und verwandelten die Rodungsinseln in blühendes Ackerland. Die Bevölkerung im Vilstal stieg auf etwa 6.000. Diese Siedler waren durch eine Veränderung in einem einzigen Gen wahrscheinlich bereits hellhäutig, da nur dadurch bei dem verminderten Lichteinfall unserer Breiten eine halbwegs ausreichende Versorgung mit Vitamin D gewährleistet werden konnte (Vitamin D wird mit Hilfe des Sonnenlichts in der Haut aus Vorstufen gebildet und ist wesentlich für den Calciumstoffwechsel und damit den Knochenaufbau, derzeit leben immer noch etwa 50 % der Bevökerung mit einer Vitamin-D-Unterversorgung; Rachitis war bis in die 1. Hälfte des 20. Jh. auch in Bayern ein Problem). Diese ersten Vilstaler Bauern lebten ungefähr zu zehnt in Langhäusern, die Dorfgröße umfasste 50 - 60 Einwohner. Feuersteine für die Steinwerkzeuge bezogen sie aus den Gegenden bei Abensberg, Deggendorf und Vilshofen, wo sie teils aus tiefen Schächten gewonnen wurden.

Ca. 5300 v. Chr.: Mord nahe Reichstorf. Bei Ausgrabungen 2013 wird das Skelett einer etwa 40 Jahre alten Frau entdeckt, deren Schädel seitlich eingeschlagen worden war. Von den wenigen aus dieser Zeit gefundenen Toten starben überraschend viele eines gewaltsamen Todes. Vermutlich eine Folge der Seßhaftwerdung. Nomaden konnten sich aus dem Weg gehen.

Um 5000 v. Chr. verzierten die Vilstaler Bauernfamilien ihre Vorratsgefäße mit linearbandkeramischen Mustern
(Fund aus dem Baugebiet Reisbacher Feld)

Um 4500 bevorzugten sie stichbandkeramische Verzierungen
(Fund aus Niederreisbach, Blumenstraße)

Um 4.800 vor Christus erbauten die Siedler große kreisförmige Kultstätten aus Holz, die nach den Gestirnen ausgerichtet wurden.

Ca. 4000 v. Chr. entstand die Venus von Aufhausen, ein Gefäß in Menschenform.
Gefunden wurde sie in der ehemaligen Kellergrube einer jungsteinzeitlichen Siedlung, wo man sie quasi bestattet hatte.

Etwa 3000 v. Chr. kommt es in unserem Bereich zur Ausbreitung des Gens der Lactosetoleranz: auch Erwachsene mit dieser Mutation vertragen rohe Milch. Das Gen breitet sich unter den Rinder haltenden Bauern rasch aus, heute sind gut 3/4 unserer Bevölkerung lactosetolerant.

Dolchklinge aus Eichendorf aus der Zeit 3600-2600 v. Chr.

Der erste Goldblechfund stammt von 2.400 v. Chr. (Aufhausen).

In der Bronzezeit (2.200 bis 750 v. Chr.) bezeugen zahlreiche Hügelgräber eine dichte Besiedlung des Vilstales. Aus dieser Zeit fanden sich Bronzebeile (Geisenhausen) und Speerreste (Gerzen). Gräberfelder enthielten riesige Urnen (Geisenhausen).

In der Hallstattzeit (Hall=Salz, 750 - 450 v. Chr.) errichteten die ersten namentlich bekannten Siedler unseres Raumes, die Kelten, reiche Hügelgräber (Wagengrab von Eichendorf) und Herrenhöfe ("Burgen", z. B. in Galgweis und Hartkirchen), Ausdruck der Entwicklung einer sozialen Schichtung mit Entwicklung eines Adels.

In der keltischen Latènezeit ist das ganze Vilstal besiedelt. Viereckschanzen (keltische Gutshöfe) finden sich im Tal der Kleinen Vils in der Nähe von Buch am Erlbach, außerdem bei Dornach und Pörndorf, Keramikscheiben zeigen den Gebrauch der Töpferscheibe.

Aus der Römerzeit sind nur wenige Münzfunde (z. B. bei Vilsbiburg) und Terra-sigillata-Scherben (z. B. Aufhausen) aus dem Vilstal bekannt. Bei Eichendorf fand sich eine norische Bronzefibel. Römische Steinbauten (Villa rustica) wurden keine gefunden. Die Gegend war offenbar nur dünn besiedelt. 
200 n. Chr. bauen die Römer eine Straße von Rosenheim nach Regensburg über Taufkirchner Gebiet.
Geisenhausen liegt an einer alten Römerstraße.
Von den römischen Donaukastellen verlief eine Straße Richtung Reisbach und Warth  (im Wald zwischen Englmannsberg und Griesbach), die heute noch als "Hochstraße" oder "Römerstraße" bezeichnt wird.
Nach den Alemanneneinfällen 242 blieb das Tal zunächst weitgehend entvölkert.

439 Abzug der Römer aus Rätien.

Um 500 n. Chr. zählte der in Norditalien residierende Ostgoten-König Theoderich Altbayern zu seinem Interessensbereich, um den Frankenkönig Chlodwig an einem Vorrücken über die Alpen nach Süden zu hindern. In dieser Zeit wanderten Alemannen, Langobarden und Thüringer ein. Sie wuchsen mit der keltisch-romanischen Vorbevölkerung zusammen zu einem neuen Stamm von unverwechselbarer Eigenart: den Bayern (Ethnogenese der Bayern).
Aus dieser Zeit stammt der Grabhügel von Reisbach, der größte jener Zeit überhaupt.

Reisbacher Grabhügel

535 (Theoderich war 526 gestorben) wurde Altbaiern dann doch dem Frankenreich eingegliedert.

Die vielen auf -ing endenden Ortsnamen weisen auf eine rege Siedlungstätigkeit im 7./8. Jahrhundert hin, wie Exing, Schlüpfing, Ölling, Pitzling.

In Reihengräbern werden die Toten mit Gesicht nach Osten bestattet (z. B. Möding am Lehmberg, Mienbach bei Haunersdorf).

748  erste Nennung der Vils als Uilusa/Filusa in einer lateinischen Urkunde. Der Name geht auf eine alte indogermanische Bezeichnung für Wasserläufe zurück und bedeutet, frei übersetzt: „Fluss, der sich erst zurechtmacht, ein Fluss zu sein“ – weil er langsam fließt, sich fast ziert, ein richtiger Fluss zu sein.

Bei Grabungen im Rahmen der Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Stephanus in Haunersdorf werden Anfang der 1990er Jahre Reste einer hölzernen Kirche um 750 gefunden.

Unter Karl dem Großen wurde Altbaiern eine eigene Kirchenprovinz. Die erste bairische Bischofssynode fand 799 in Reisbach statt, einem im Frühmittelalter bedeutenden Ort.
900 versammelte sich auch der gesamte bairische Adel in Reisbach. 

Im 8. und 9. Jahrhundert entsteht ein Großteil der -dorf-Orte, die den Namen des Gründers am Wortanfang tragen.

Um 900 erfolgte der Bau einer befestigten Anlage an einem Bergsporn bei Flaring (Taufkirchen), Anlaß waren vermutlich Plünderzüge von Ungarn in der Zeit zwischen 900 und 945. Ungeschützt auf ihren Höfen lebende Bauern wurden getötet, Siedlungen und Klöster ausgeraubt und verwüstet. Aus dieser Zeit stammt auch ein gut erhaltener Ringwall bei Gaindorf, einer einstigen Fliehburg der einheimischen Bevölkerung. Die Ungarneinfälle fanden mit der  Schlacht auf dem Lechfeld 955 ein Ende. Mit wesentlich für den Schlachtausgang waren der Überlieferung nach die Gebete des Augsburger Bischofs Ulrich, der später heilig gesprochen wurde. Er bemühte sich anschließend besonders um den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen. Ihm ist die Kirche von Untervilslern geweiht. Ortschaften an der Vils brauchten teils über 100 Jahre, um sich zu erholen.

In dieser Schlacht tötete der Überlieferung nach ein unbekannter junger Bogenschütze nacheinander die zwei obersten Anführer der Ungarn, dann ihren Oberpriester durch einen Schuss mitten in´s Herz und entschied damit die Schlacht. Als Dank dafür wurde ihm ein Wappen mit drei Bögen verliehen, das heutige Wappen der Grafen von Arco auf Valley.

An die Ungarneinfälle erinnert ein Glasfenster der Seyboldsdorfer Kapelle

Für die Zeit um 930 wird berichtet, dass der Weinimport aus der Wachau über Diemanskirchen an der kleinen Vils verläuft.

Im 9. Jahrhundert setzt eine erneute Rodungstätigkeit ein, die zur Gründung von Orten mit der Endung auf -stetten führt, wie Kirchstetten und Hofstetten.

Schwarz nimmt in seinem Buch über die Entwicklung des niederbayerischen Raums an, dass sich im Bereich einer alten, von Salzburg herkommenden Salzstraße, die über Solling und Gerzen führt, bis nach 1000 romanische Bevölkerungsinseln erhalten haben. Auch Kirchberg am Kröning dürfte romanische Wurzeln haben, der freistehende Campanile-Wehrturm der Kirche weist ebenfalls auf eine romanische Ortstradition hin.

Im 10. und 11. Jahrhundert siedelten die Grafen von Frontenhausen Leute aus dem Havelland im Frontenhausener Havelviertel an.

Ab etwa 1000 n. Chr. entstehen im Vilstal anstelle früherer hölzerner Gotteshäuser neue Steinbauten, romanische Kirchen mit schmalen Bogenfenstern und halbkreisförmigen Bogenfriesen (z. B. Kirchen von Motting, von Neuhausen bei Gerzen, Turm der kleinen Kirche von Johannesbergham, St. Theobald in Geisenhausen).

Romanische Kirche von Motting mit Bogenfries

Im 12. Jahrhundert entstanden im Vilstal zahlreiche kleine Adelsherrschaften, Grundlage der späteren Hofmarken.

1311 verkaufte der bairische Herzog Otto III wegen Überschuldung nach einem fehlgeschlagenen Ungarnfeldzug einen Teil seiner niederbairischen Herrschaftsrechte (z. B. die niedere Gerichtsbarkeit, dazu zählen Polizeigewalt, Steuereinnahmen, Musterung, freiwillige Gerichtsbarkeit) an Adelige, Klöster, Städte und Märkte (Ottonische Handveste; sie erlangte Rechtskraft durch Auflegen der Hand, nicht durch eine Unterschrift). Es entstanden die zahlreichen Hofmarken des Vilstals mit eigener Gerichtsbarkeit. Diese Gerichtsbarkeit umfasste alle zivilrechtlichen Angelegenheiten mit Ausnahme der Rechtsstreitigkeiten um Grund und Boden und alle Strafvergehen mit Ausnahme todeswürdiger Schwerverbrechen. Allein im Altlandkreis Vilsbiburg gab es um 1500 ca. 30 Hofmarken.

1334, am 7. Oktober: Kaiserlicher Besuch im Vilstal. Kaiser Ludwig der Bayer und sein Vetter Herzog Heinrich von Niederbayern trafen sich in Eichendorf zu einem Versöhnungsgespräch.

1347 erreichte der Schwarze Tod (häufigster Erreger war vermutlich Yersinia pestis) auch das Vilstal, führte zur teilweisen Entvölkerung der Siedlungen und beendete die mittelalterliche Hochkonjunktur im ländlichen Raum.

Im 14. und 15. Jahrhundert bekommen die Bürger z. B. von Velden (1484), Vilsbiburg, Geisenhausen, Frontenhausen, Reisbach und Vilshofen mit der Marktfreiheit die Selbstverwaltung in die Hand. Bürgermeister, Räte und Kammerer werden gewählt, Gewerbe- und Bauordnungen erlassen, die Zünfte sollen dem Schwachen sein Auskommen sichern und Übereifrige bremsen, Schulmeister werden angestellt.

1418 - 1426/30 bauen die Frontenhausener Bürger im Auftrag des Landesherrn eine Marktmauer mit Türmen, Toren und über 2 m tiefem und breitem Ringgraben.

1437 wird der Chor der Stadtpfarrkirche Vilsbiburg eingeweiht.

Ab etwa 1450 entstehen nach den großen Bürgerkirchen zahlreiche kleinere Kirchenneubauten auf dem Land, teils auch als Umbauten romanischer Kirchen. Allein im Altlandkreis Vilsbiburg ca. 70 Gotteshäuser, häufig mit außen unverputzten Ziegelsteinmauern in gotischem Stil

Gotische Kirche Wolferding

Private Mildtätigkeit führt 1460 zur Gründung des Heiliggeist-Spitals in Vilsbiburg, dem heutigen Heimatmuseum.

Unter dem Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 litt auch das Vilstal schwer. Durch das anschließend beschlossene Primogeniturgesetz wurden die bairischen Landesteilungen beendet, das Vilstal wird seither von München aus regiert. 

Die einigermaßen gerechte Behandlung der unfreien Bauern des Vilstals führte dazu, dass diese sich nicht an den Bauernaufständen von 1525 im übrigen Deutschland beteiligten.

1560 bereist und vermisst erstmals der Ingolstädter Mathematiker Philipp Apian auch das Rentamt Landshut.

Bildnis des Mathematikers und Kartografen Philipp Apian

Er zeichnet die erste Landkarte mit dem Vilstal.

Die erste kartografische Erfassung des Vilstals durch Apian 1568

Erste Erwähnung der Hafnereien auf dem Kröning.
Aus der gleichen Zeit stammen Ansichten Donauers von Vilsbiburg, Geisenhausen, Frontenhausen, Reisbach und Vilshofen im Antiquarium der Münchner Residenz (bei der nächsten Besichtigung anschauen!).

Das rekonstruierte Fresko von Geisenhausen U(nterland) im Antiquarium der Münchner Residenz
(mit Erlaubnis der Bayerischen Schlösserverwaltung)

Im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) fielen 1632 schwedische Reiter in Taufkirchen ein und töteten vier Männer.

Velden wurde 1633 geplündert, Vilsbiburg brannte 1635, Geisenhausen wurde 1635 und 1640 niedergebrannt. Drei Monate vor Kriegsende zogen im Frühsommer 1648 erneut Schweden und Franzosen sengend und plündernd durch das Vilstal. Aham, Altfraunhofen, Geisenhausen (zum 3. Mal), Gerzen, Loizenkirchen, Johannesbrunn, Seyboldsdorf,  Vilsbiburg und Eichendorf wurden zum größten Teil zerstört. Schloß Warth ging in Flammen auf. Reisbach wurde nach Zahlung einer Ablösesumme verschont. Es gibt deshalb kaum Häuser aus der Zeit von vor dem 30-jährigen Krieg im Vilstal.

In der Zeit von Juli bis September 1648 eroberte der kaiserliche Feldmarschall Piccolomini (zu diesem Zeitpunkt als ein Nachfolger Wallensteins kurze Zeit wieder Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres, welches aber kaum mehr vorhanden war) das Vilstal zurück. Ihr Heer lagerte zwischen Geisenhausen und Vilsbiburg.

(Aufnahme J. Aigner)
Ein erneuertes Marterl bei Lichtenburg erinnert an diese schreckliche Zeit.
Text: Durch die Anrufung der Heiligsten Dreifaltigkeit wurden hier sieben Personen verschont, wo sich acht versteckten, und nur einer davon gefangen wurde.

Die Kriegsleiden hält auch eine Geschichtstafel der Niederhausener Kirche fest

Nach dem Krieg wütete die Pest. 1649 forderte diese in Geisenhausen 45 Tote. In der Kirche St. Theobald erinnert eine dem Hl. Sebastian gestiftete Kerze noch heute daran. Die Bevölkerung des Vilstales schrumpfte um ca. 1/3.

Für die Zeit 1637 bis 1650 gibt es Berichte über von Wölfen gerissenes Vieh im Raum Oberhausen.

Das wieder aufgebaute, jetzt barockisierte Vilstal stellte Wening um 1700 in seinen Vilstal-Stichen dar. Reihenweise  entstanden die typischen Zwiebeltürme, die welschen ("fremdländischen") Hauben, z. B. in  Mariaberg. Vorbild hierfür ist vermutlich der arabische Felsendom in Jerusalem, die Form gelangte dann über Italien nach Bayern.

Wenings Beschreibung von Ober- und Nidern Bayrn (1723)

1706 kamen Kapuziner nach Vilsbiburg und waren bis Ende des 20. Jahrhunderts als wirkungsvolle Prediger und strenge Beichtväter in der Volksmission tätig.

Im Spanischen Erbfolgekrieg kämpfte der österreichische Habsburgerkaiser gegen den französischen König um die Besetzung des verwaisten spanischen Königsthrons. Der bayerische Kurfürst Max II. Emmanuel stand auf Seiten Frankreichs. Die Österreicher besetzten daraufhin Bayern. Kurfürst Maximilian II. Emanuel floh 1704 nach der verlorenen Schlacht bei Höchstädt in die Niederlande.
Der Leidensdruck durch das brutale Vorgehen der Besatzer führte zu Aufständen der Bevölkerung. Bei Vilsbiburg wurden 150 Bauern getötet. Oberbayerische Bauern waren am Weihnachtstag 1705 vor München gezogen, um die Stadt von den Österreichern zu befreien. Hier wurden 1100 Bauern in der sogenannten „Sendlinger Mordweihnacht“ von Soldaten im Dienste Habsburgs abgeschlachtet.
Am 8. Januar 1706 rückte dann die Bauernschlacht von Aidenbach kurz in den Blickpunkt der Geschichte:
Nach dem Sieg vor München erreichten die gut ausgerütsteten österreichischen Berufssoldaten am Morgen des 8. Januar die Freiheitskämpfer um Aidenbach. Ca. 4.000 schlecht ausgerüstete Bauern und Handwerker des bayerischen Unterlandes wurden grausam niedergemetzelt.

Denkmal Kleeberg
(Aufnahme Verwaltungsgemeinschaft Aidenbach)

Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte im Glanz des baierischen Rokokko. Kunsthistorische Perlen aus der damaligen Zeit sind die Wallfahrtskirche zur Hl. Dreifaltigkeit bei Aham und die Kirche der damaligen Zisterzienserabtei Aldersbach, der von den Asambrüder ausgestattete "Dom des Vilstals".

Zisterzienserabtei Aldersbach
(Aufnahme G. Lahl)

Um 1726 gilt ein fünfstufiges System der Grunddienstbarkeit, hier veröffentlicht für Geisenhausen:


Steinberger: Pfarrei Geisenhausen (1891)

Eine Aufstellung des Gerichtsbezirkes Landau für 1752 zeigt eine Vergabe von 51 % der Anwesen als Erbrecht, 42 % als Leibrecht (Rest Lehen bzw. Freistift, letzteres bedeutete kurzfristige Kündbarkeit). Zimmerrecht gab es nur bei 0,2 % (5 Anwesen)

Die Berufsausübung wird von den Zünften streng geregelt und überwacht. So muss 1730 der Frontenhausener Schreiner Paumeister auf Antrag eines Malers für 3 Stunden in den Turm, weil er verbotener Weise einen Rennschlitten angestrichen hatte. 1755 gab es für das unbefugte Bemalen eines Sarges durch den Schreiner 1 Stunde Turmstrafe.

Mit dem Tod Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740 (römisch-deutscher Kaiser und Erzherzog von Österreich) starb diese männliche Habsburgerlinie aus. Als Erbin war seine Tochter Maria Theresia vorgesehen. Anspruch auf den Habsburgerthron erhob jedoch, neben anderen, auch der bayerische Kurfürst (später Kaiser Karl VII.).

Kaiser Karl VII. (1742 - 1745)

Die Österreicher (Maria Theresia) besetzten im bayerisch-österreichischen Erbfolgekrieg wieder einmal zeitweise Bayern. Der Krieg führte 1743 zu einer Hungersnot im Vilstal, die viele Todesopfer forderte. Nach einem Bericht des Pflegers von Adldorf nahmen in Arnstorf stationierte kaiserliche Grenadiere (also Soldaten des bayerischen Regenten Kaiser Karl VII.) den Bauern Roß und Wagen fort und "rissen den Leuten gleichsam den letzten Bissen Brot aus dem Rachen". In Reichstorf starben fast aus allen Häusern Männer und Frauen heraus, sodass unmündige Kinder in elender Hungersnot zurückblieben. Weil die Gespanne fehlten, konnte man weder Sommer- noch Wintergetreide anbauen.

1749 richtete ein gewaltiger Heuschreckenzug großen Schaden an. Nach drei Tagen Kampf mit Dreschflegeln flog der Schwarm Richtung Dingolfing weiter.

Bericht der Vilstaler und Arnstorfer Zeitung vom 1.12.1929,
basierend auf einer zeitgenössischen Chronistenaufzeichnung
(Slg. Fam. Flexeder)

Ab etwa 1750 errichteten die größeren Bauern ihre Höfe nach dem Vorbild der Klöster und Schlösser in der Form des niederbayerischen Vierseithofes

Vierseithof Rannersdorf
(Stadtarchiv Passau, Luftbildsammlung Donatus Moosauer)

1752 wurde die Geisenhausenerin Anna Amann, Geistnandl genannt, in Landshut nach einem Hexenprozess wegen Hexerei enthauptet. Anschließend wurde der Leichnam der Hexe verbrannt, um die Auferstehung unmöglich zu machen.

Von Handelsbeziehungen mit Österreich zeugt dieser österreichische Kreutzer von 1761. So wurden ganze Rinderherden aus Ungarn über Österreich durch das Vilstal in große bayerische Städte (z. B. Augsburg) getrieben, um die dortige Stadtbevölkerung zu versorgen.

EIN KREUTZER mit dem Bildnis der Kaiserin M(aria) TH(eresia), AUST(ria), geprägt 1761 in P(rag)
(aus einer Adldorfer Sammlung)

1771/72 herrschte auf Grund von Misernten im Vilstal eine Hungersnot, Die Leute waren wegen der hohen Getreidepreise gezwungen Vieh, Hausgeräte und Betten zu verkaufen. Ältere Leute mussten sich zum Teil von Gras ernähren, schließlich wurde Getreide aus dem Ausland eingeführt.

1778 gilt als Zahlungsmittel der Thaler. Der Silberwert von ca. 28 Gramm sollte dem Goldwert eines Guldens (guldin = golden) entsprechen.  Vorausgehend prägte Florenz seit 1262 standardisierte Goldmünzen (Florene) mit einem Goldgehalt von etwa 3,4 Gramm, daher die Abkürzung fl für die vergleichbaren Gulden. Das Silber für die Thaler stammte in der Anfangszeit zu einem Großteil aus Joachimsthal im heutigen Tschechien, die Münzen nannte man deshalb Joachimsthaler oder kurz Thaler.

Madonnenthaler (Madonna mit Kind) von 1778, zuletzt in Vilsbiburg als Schmuck verwendet. Inschrift:
CAR(olus) TH(eodorus) D(ei) G(ratia) C(omes) P(alatinus) R(heni), U(triusque) B(avariae) D(ux), S(acri) R(omani) I(mperii) A(rchidapifer) et EL(ector), D(ux) I(uliae), C(liviae) et M(onitum)
Karl Theodor von Gottes Gnaden, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von beiden Bayern (gemeint sind Ober- und Niederbayern, früher 2 Herzogtümer), Erztruchseß des Heiligen Römischen Reiches und Kurfürst, Herzog von Jülich, Kleve und Berg
(Slg. E. Przybilla)

1757 und 1795 kam es wegen der in Zeiten der Aufklärung als unzeitgemäß empfundenen Leibeigenschaft in Velden zu Ausschreitungen.

Großen Einfluß auch auf das Leben im Vilstal hatte Maximilian Carl Joseph Franz de Paula Hieronymus Graf von Montgelas (* 12. September 1759 in München; † 14. Juni 1838 in München). Er war von 1799 bis 1817 Minister unter dem Kurfürsten und späteren 1. König von Bayern Maximilian I. Erhebung in der Grafenstand 1809. Beeinflusst von Aufklärung und Französischer Revolution und als erklärter bayerischer Patriot, konzipierte er zwischen 1777 und 1799 Pläne für eine weitreichende Modernisierung der Verwaltung und Politik Bayerns, die er als Minister großteils umsetzte.

Maximilian Carl Joseph Franz de Paula Hieronymus Graf von Montgelas
(* 12. September 1759 in München; † 14. Juni 1838 in München)


Unter Montgelas’ Regierungsverantwortung in Bayern fallen die radikale Durchführung der Säkularisation, die Gleichstellung der christlichen Konfessionen, eine tief greifende Reform der öffentlichen Verwaltung, des öffentlichen Finanz- und Steuerwesens und der Rechtspflege.

An die Stelle einer Feudalherrschaft trat der Staat, vertreten durch Beamte. Die Gemeinde wurde unterste Verwaltungseinheit. Bayern wurde vermessen und ein Flächenkataster mit einem Verzeichnis der Besitzverhätnisse sämtlicher Grundstücke angelegt.

Im Rahmen von Säkularisation und der von Napoleon verfügten Mediatisierung verloren auch die nach eigener Auffassung reichsunmittelbaren Herrschaften Alt- und  Neufraunhofen ihre Selbstständigkeit. Am 24.12.1805 um 1 Uhr kam ein Kommissar aus München, beschlagnahmte das Kuratiegebäude und hängte das baierische Wappen auf. Der Galgen als Symbol der eigenen Gerichtsbarkeit musste abgebaut werden.

Auch die Märkte des Vilstales verloren die bisherige Gerichtsbarkeit, die sogenannte Polizei, die Aufsicht über Handel und Gewerbe.

1807 führte Bayern als erstes Land der Welt die Pockenschutzimpfung ein.

Auf diesem Schutzpocken-Impfungs-Schein vom 14.5.1826 bestätigt Dr. Schröder in Eichendorf die erfolgreiche Impfung und verbürgt sich für einen Schutz vor Blattern

In der Verfassung von 1808 wurde die Leibeigenschaft ohne Entschädigung aufgehoben.

Am 9. April 1809 erklärte Österreich Frankreich (Napoleon) den Krieg. Napoleon hielt sich bereits mit einem Großteil seiner Truppen in Bayern auf. Ab 10. April rückte die österreichische Hauptarmee (rund 130.000 Mann) über Vilsbiburg (15.4.) Richtung Landshut (16.4.) vor. Nach der verlorenen Schlacht bei Abensburg (20.4.) und Landshut (21.4.) ziehen sich die Österreicher über das Vilstal wieder zurück. Napoleon rückte mit seinen Truppen nach. In Frontenhausen und Umgebung forderten österreichische Truppen Quartier für 30.000 Mann.

Im Salettl der Brauerei Lorenzer in Geisenhausen soll Napoleon gespeist haben

1810 bestätigt die Lokalschulinspektion die Einrichtung einer Schule in Adldorf. Bis 1848 bestellte die Gutsherrschaft den Lehrer, sorgte für seinen Unterhalt und stellte ein Klassenzimmer zur Verfügung.

Für Napoleons Rußlandfeldzug 1812/13 wurden auch im Vilstal Soldaten ausgehoben. Einzige Rettung vor dem Kriegsdienst war der Erwerb eines eigenen Anwesens, denn Hofbesitzer wurden nicht eingezogen. An zwei nicht von dem Feldzug zurückgekehrte Brüder erinnert eine Votivtafel in der Kirche von Loitersdorf.
Zurückkehrende Feldzugsteilnehmer gründeten den Kriegsveteranenbund, der sich 1825 den Namen Militärverein gab.  Später wurde daraus die Krieger- und Soldatenkameradschaft.

An die in den napoleonischen Kriegen Gefallenen und teilweise hier beerdigten Toten aller Beteiligten erinnert eine Tafel von 1853 am Vilsbiburger Kriegerdenkmal

Im Herbst 1818 fanden die ersten Wahlen zur Ständeversammlung statt. Die Abgeordneten hatten das Recht, Steuern zu bewilligen, ihre Verwendung zu überprüfen und bei der Gesetzgebung mitzuwirken. Erster Abgeordneter des Landgerichts Vilsbiburg war Simon Eisenhofer aus Frontenhausen. In der 2. Kammer verfügten die Städte und Märkte über knapp 1/4 der Sitze. Wahlberechtigt waren etwa 6 % der Bevölkerung (Voraussetzung: Grundbesitz, Einkommen).

Mitglied der vom König berufenen Ständekammer war z. B. auch der 1817 gestürzte Graf Montgelas, der nach seiner Ablösung einen Großteil des Jahres auf seinen niederbayerischen Gütern verbrachte. Wegen besserer Jagden hatte er seine Güter im Laabertal gegen Besitzungen u. a. in Aham und Gerzen vertauscht. Seine Grablege befindet sich in der Schloßkapelle von Aham.

Um 1830 erfolgten die letzten Ortsgründungen des Vilstals: Heimhart und Forthart mit rechteckigen kleinen Parzellen und der Notwendigkeit zum außerlandwirtschaftlichen Broterwerb.

1830 gründet sich der Bauernverein Frontenhausen. Seit 1832 sind Bauernjahrtage belegt.

Beschreibung des Vilstals 1838:

Das Königreich Bayern in seiner gegenwärtigen Gestalt / Cammerer, Anselm Andreas Caspar, 1838, S. 61

Ab 1843 führt ein täglicher Post-Eilwagenkurs von München über Taufkirchen, Velden (hier ein Poststall mit 8 Pferden im Gasthaus zur Post) und Vilsbiburg nach Passau. 1845 wird die Relaisstation Eichendorf (nur Pferdewechsel) zur Postexpedition mit Brief- und Fahrpostdienst.

1844 geloben die Frontenhausener Bürger in bitterer Hagelnot eine Bittwallfahrt zur Kirche der Hl. Dreifaltigkeit auf der Öd.

1848 wird den Hofmarken die richterliche und die exekutive Gewalt entzogen. Die amtliche Prügelstrafe wird abgeschaftt.

In Adldorf musste 1848 ein Lokalschulfonds die Finanzierung des Lehrers übernehmen, das Gehalt wurde reduziert, der Lehrer konnte seine Familie kaum mehr ernähren.

Die Bauernbefreiung kam 1848 weitgehend an ihr Ziel. Die Grundlasten der Bauern gegenüber ihren bisherigen Grundherren wurden entweder ersatzlos gestrichen oder in feste Bodenzinse umgewandelt. Die Bauern wurden damit  zu Eigentümern des von ihnen bewirtschafteten Landes. Allerdings zogen sich die Ablösezahlungen der Bauern in vielen Fällen noch über Generationen hin. Damit war einem Teil der Grafschaften (Hofmarken) die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Schlösser wurden verlassen und abgerissen, teils blieben nur die Kirchen stehen, z. B. in Vilssöhl.

1851 gibt es eine Post-Omnibus-Verbindung (Postkutsche) von Passau durch das Vilstal nach Landshut.

Das Leibrechtsfixum konnte auch mit einer Einmalzahlung beendet werden, wovon allerdings nur wenige Bauern Gebrauch machten. So Familie Loibl aus Prunn, die am 9.10.1865 die Grundgefallen und Handlohns Äquivalente gegen 1700 Gulden ablöste.

Quittung über Ablösung von Grundgefallen und Handlohns Aequivalenten
(Slg. Fam. Loibl)

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kommen ganze Gastarbeiterfamilien jeweils im Frühjahr aus Norditalien, um im Vilstal Dach- und Mauersteine zu produzieren. Im Herbst geht es wieder zurück, zunächst zu Fuß, später mit der Bahn. Daraus entwickelte sich eine Städtepartnerschaft zwischen Buja in Norditalien und Vilsbiburg. Diese wird 2001/2002 feierlich besiegelt. ,

Der Landgerichtsarzt Dr. Bottler (Vilsbiburg) beschreibt 1860 eine Rate von ca. 18 Prozent unehelicher Kinder (154 von 838) und eine Kindersterblichkeit von 38 Prozent, meist vor dem 2. Lebensjahr. Im Alter sterben die meisten zwischen dem 62. und 74 Lebensjahr.

1864 erhält Vilsbiburg eine Telegrafenstation bei Posthalter Urban.

An den 1866 gegen Preußen verlorenen Krieg erinnert eine Gedenktafel für einen im Juliusspital Würzburg gestorbenen Soldaten in der Pfarrkirche von Gerzen.

1868 wird Gewerbefreiheit eingeführt; während des Bahnbaus mit zahlreichen Bahnarbeitern steigt die Zahl der Schenken in Marklkofen von 2 auf 8. Der Frontenhausener Pfarrer berichtet über nachteilige Auswirkungen in moralischer und religiöser Hinsicht.

1869 erhalten auch Besitzlose das Recht zur Heirat. Ausgeschlossen bleiben Heiratswillige, die in den drei vorherghenden Jahren Armenunterstützung erhalten haben.

Bayern wurde mit den Novemberverträgen 1870 Teil des Deutschen Reiches und musste an der Seite Preußens gegen Frankreich in den 70er Krieg.

In Vilsbiburg erfolgt am 6. Februar 1870 die Gründung eines „Frauenvereins vom Roten Kreuze“.

Eine Gedenktafel am Vilsbiburger Kriegerdenkmal erinnert an die Gefallenen des 66er und 70er Krieges.

1870 wurden nach mehrjähriger Diskussion um das Postgeheimnis Correspondenzkarten, bald darauf Postkarten mit halbem Briefporto zugelassen - ein großer Renner! Zur Wahrung des Briefgeheimnisses ohne Feld zur Absenderangabe, wie auch heute noch bei Ansichtskarten.  

Diese Postkarte wurde am 12.5.1875 aus Vilsbiburg abgeschickt
(Slg. E. Gruß)

1871 übernimmt Bayern die Längeneinheit des Deutschen Reiches und stellt von Fuß auf Meter um.
Ein Fuß sind 28,2 cm, entsprechend der heutigen Schuhgröße 44.
Die Währung im Deutschen Reich wird von Gulden (abgekürzt fl, benannt nach der ersten in Florenz geprägten Goldmünze) auf Mark umgestellt.

Dieses Maßband aus Adldorf mißt auf den einen Seite in Fuß, auf der anderen in Meter

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem gewonnen Krieg führt dazu, dass viele Vilstaler als Saisonarbeiter in der warmen Jahreszeit in München Arbeit finden.

Der Wohlstand steigt, Geistliche beschweren sich, dass auch Dienstmägde städtische Kleidung tragen.

Tracht des mittleren Vilstals 1880 (Raum Frontenhausen)
(Slg. H. Mirtes)

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden landauf, landab, teilweise auch erst auf Druck von oben hin, zahlreiche Freiwillige Feuerwehren gegründet.

Das Exinger Signalhorn aus der Gründungszeit (1866)
(Festschrift 125-jähriges Gründungsfest 2002) sic


Während früher mit Eimern gelöscht wurde folgt jetzt die Anschaffung von handbetriebenen Druckspritzen, deren Reservoir aber noch mit Eimern gefüllt werden musste. Später Ergänzung der Ausrüstung mit Saugpumpen zur Auffüllung des Pumpenspeichers. Schließlich Kauf von Saug-Druckspritzen.

Saug-Druckspritze der Freiwilligen Feuerwehr Adldorf von 1896 (Aufnahme 1962)

1879 wird in Adldorf von Schulgemeinde, Kirchenstiftungsverwaltung und Gutsherrschaft gemeinschaftlich die erste Schule gebaut. Bis 1906 unterrichtet ein Lehrer alleine.

Auch die Bauern schließen sich überörtlich zusammen.

An die Gründung des niederbayerischen christlichen Bauernvereins am 5.5.1893 in Frontenhausen erinnert diese Tafel am Rathaus

Die Bayerische Notenbank darf auch im Deutschen Reich eigene bayerische Banknoten herausgeben:

100 Mark-Schein der Bayerischen Notenbank vom 1.1.1900
(aus einer Adldorfer Sammlung)

Es gelten die Münzen des Deutschen Reiches, hier ein Reichspfennig

Pfenning von 1901 aus einer Adldorfer Sammlung

Bis zur Erschließung durch Eisenbahnen spielten Postkutschen eine bedeutende Rolle.

Abfahrt der Postkutsche in Reisbach 1910
(Aufnahme Markt Reisbach)

Der königlich bayerische Postillion Reisbachs 1918

Das Vilstal wird an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Bahnbau bei Griesbach ca. 1872
(Sammlung Mirtes)

So werden fertiggestellt
1875 die Strecke Pilsting - Marklkofen - Neumarkt-St. Veit
1898 die Strecke Dorfen - Taufkirchen - Velden,
1898 die Strecke Vilshofen - Aidenbach,
1903 die Strecke Landau - Arnstorf,
1915 die Nebenbahn Aufhausen   Kröhstorf

1886 wurde in der Kunstmühle Schmid in Frontenhausen eines der ersten Elektrizitätswerke Bayerns errichtet.
1903 leuchtet die erste elektrische Glühbirne in Velden.
Die Stromerzeugung erfolgte zunächst meist mit Gas- und Benzinmotoren.
1905 wird Adldorf elektrifiziert.

Am 31.12.1906 brannte das Adldorfer Schloß mit seiner wertvollen Bibliothek ab. Der Wiederaufbau in neubarocker Form konnte am 15.8.1908 abgeschlossen werden.

Eines der ersten Automobile im Bezirk Vilsbiburg ist der Piccolo von Herrn Leonhard Thalkofer in Frontenhausen, Baujahr 1907.

Geisenhausens 1. Automobil fuhr 1909 Brauereibesitzer Dettenhofer
(Slg. Späth)

Ein Gesetz von 1908 traf eine abschließende Regelung zu den Entschädigungszahlungen der Bauern im Rahmen der Bauernbefreiung.

Seit 1911 können auch Frauen Mitglied im Männer-Turnverein Vilsbiburg werden. Die Geistlichkeit wurde jedoch noch 1925 wegen Hosenkleidung, Schauturnen und Wettkämpfen von Mädchen und Frauen beim Vorstand vorstellig.

Frauenturnriege des Männer-Turnvereins Vilsbiburg um 1915 unter männlicher Leitung
(Slg. E. Przybilla)

Extrablatt des Landauer Bote und Anzeiger vom 28.6.1914

Nach den Kriegserklärungen Deutschlands vom 1.8.1914 an Rußland, am 3.8.1914 an Frankreich und dem Kriegseintritt Großbritanniens am 4. August herrschte der 1. Weltkrieg.

Landauer Bote und Anzeiger
Tagblatt für den Gäuboden, das Isar-, Vils- und Kolbachtal
Titelseite vom 5.8.1914

Maximilian Freiherr von Soden-Fraunhofen war von 1912 - 1916 Staatsminister des Inneren im königlich bayerischen
Kabinett. König Ludwig III besuchte wiederholt seinen Minister im Vilstal auf dessen Schloss Neufraunhofen.

Auf einer Rückreise von Passau nach München besuchen König Ludwig III und die bayerischen Prinzessinnen
am 18.6.1914 Vilsbiburg

Als Folge der britischen Seeblockade werden Lebensmittel in Deutschland knapp.
Ab 25. Januar 1915 wird zunächst Brot rationiert.

Reisebrotheft aus Adldorf mit 40 und 10 g Bezugsmarken

Freiherr von Soden-Fraunhofen trat 1916 wegen eines Konflikts über die Lebensmittelversorgung als bayerischer Innenminister zurück. In den Städten stieg die Sterblichkeit deutlich (Dt. Ärzteblatt v. 6.2.2015).

Während des Ersten Weltkrieges wurde auch im Vilstal ein Landsturm aufgestellt.

Landsturmmusterung am 16.3.1915 in Vilsbiburg
(Sammlung H. Mirtes)

Gemäß einer gesetzlichen Aufforderung vom 1. März 1917 wurden Bronzeglocken beschlagnahmt und mussten abgeliefert werden.

Pfarrer und Kirchenpfleger verabschieden sich von einer Veldener Kirchenglocke
(Slg. Heimatverein Velden)

Im Frühjahr 1918 wurden viele Pferde für das Militär ausgehoben, als Ersatz sah man viele Ochsengespanne bei der Frühjahrsbestellung.

Mit Vilsbiburger Notgeld als Lokalwährung kämpfte der Markt gegen die Wirtschaftskrise (1917/1920)
(Slg. H. Späth)

Am 3. November 1918 (zwei Tage nach dem Sturz der Monarchie in Österreich, vier Tage vor der Revolution in Müchen) wird in Frontenhausen im Rahmen einer Massenversammlung die Bayerische Demokraten-Partei gegründet, die später vermutlich in der Deutschen Volkspartei aufging. Am 7. November wird König Ludwig III in München gestürzt, am 9. November dankt in Berlin Kaiser Wilhelm II ab. Am 11. November wird ein Waffenstillstand unterzeichnet. Der I. Weltkrieg ist zu Ende.

In der Zeit der Revolutionswirren nach dem 1. Weltkrieg gündete sich am 15.11.1918 in Vilsbiburg im Rahmen einer Volksversammlung im Urbanschen Postsaal ein Arbeiter-, Bürger- und Bauernrat mit einem gemeinsamen Vorsitzenden. Am 17.11. werden in  Frontenhausen Räte gewählt. Die Verwaltung wird nicht angetastet. Die Räte kümmern sich um Jugendschutz, Schwarzhandel, Beschwerden und Wünsche der Bevölkerung, wie z. B. die Versorgung mit Lebensmitteln und Brennspiritus.

Aufruf des Arbeiter-, Bürger- und Bauernrates Vilsbiburg vom 16.11.1918,
ermächtigt von der provisorischen Regierung in München
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Am 26.4.1019 sterben nach einer Schießerei am Vilsbiburger Bahnhof im Rahmen von Revolutionsunruhen zwei Menschen in einer Auseinandersetzung des Arbeiterrates mit aus Landshut anrückenden Mitärs.

Gegen den Arbeiterrat am Bahnhof Vilsbiburg in Stellung gebrachtes Maschinengewehr
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Ab Juni 1919 sind keine Aktivitäten der Räte in Vilsbiburg mehr überliefert.

1919/20 kehren die Kriegsgefangenen des 1. Weltkrieges in ihre Heimat zurück

Heimkehrerfeier in Seyboldsdorf 1919 (Gasthaus Zehentbauer)
(Slg. H. Späth)

Am 12. Januar 1919 finden die Wahlen zum Bayerischen Landtag statt. Erstmals sind Frauen stimmberechtigt. So geht in Frontenhausen die Kaufmannswitwe Aigner mit 92 Jahren erstmals zur Wahl. Die Wahlbeteiligung in Frontenhausen beträgt 86 %. 

In Bayern wird eine neue Gemeindeverfassung ausgearbeitet. Die bisherigen zwei Kammern auf Gemeindeebene, Magistrat und Gemeindekollegium, werden durch eine Körperschaft, den Gemeinderat erstzt.

1914 begann die Inflation.
Im Januar 1923 bekam ein Schullehrer in Vleden am Monatsanfang 1,7 Milliarden Reichsmark, am Monatsende hätte der dafür noch 1 Pfund Fleisch kaufen können.
Am 15. November 1923 endete die Inflationszeit durch die Ablösung der Papiermark mit Einführung der Rentenmark (wertgleich mit der späteren Reichsmark). Körperlich mussten die am 15. November 1923 gültigen Papiermarkscheine aber noch bis Anfang 1925 als wertstabiles Notgeld (Kurs: 1 Billion Mark = 1 Rentenmark) dienen.

Dieser (vordatierte?) Scheck über 64.000.000.000.000 Mark (64 Billionen) der Genossenschaftsbank Eichendorf wurde nicht mehr eingelöst.
Zum Vergleich: Die heutigen Schulden Deutschlands betragen 2 Billionen Euro

Die endgültige Entscheidung einer Währungsumstellung steht bevor
(Vilshofener Zeitung vom 10.9.1923)

Die Inflation wird beendet durch einen Beschluss von 15.10.1923 zur Einführung der Rentenmark

1 Rentenmark

Folge der desolaten Wirtschaftslage ist ein erneuter Anstieg der Auswanderungszahlen

Abschiedsfeier zweier Reisbacher 1926, sie gehen als Farmarbeiter nach Buffalo
(Landauer Bote und Anzeiger vom 26.1.1926)

Die Wirtschaftskrise führt im Deutschen Reich zu Umsturzversuchen. Am Abend des 8.11.1923 ist die Telefonverbindung nach München unterbrochen. Der Hitler-Ludendorf-Putsch (Bürgerbräu-Putsch) beginnt. Er endet am 9.11. nach einer Schießerei an der Feldherrnhalle um 12:45 Uhr mit 21 Toten.

(Vilshofener Zeitung vom 9.11.1923

Am 17.9.1924 kurz nach 7 Uhr morgens erfolgt im Straubinger Gefängnis die letzte Hinrichtung auf dem Schafott. Die Todesstrafe mittels Fallbeil wird vollstreckt an Johann Kapfer, Maschinist des Eichendorfer Elektrizitätswerks. Es läutet die Armensünderglocke, sein geistlicher Beistand ist dabei. Aus Liebe zu einer Wannersdorfer Magd hatte er seine Ehefrau mit arsenhaltigem Rattengift umgebracht.

Am 6.3.1927 hält Hitler seine erste öffentliche Versammlung nach der Freilassung (Festungshaft in Landsberg) in Vilsbiburg ab (Vilsbiburg hat zu diesem Zeitpunkt knapp 3000 Einwohner).

Hitler spricht 1927 in Vilsbiburg.
Den Beinen unterm Tisch fehlt der Oberkörper!
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Der Machtergreifung Hitlers am 30.1.1933 folgen am 5.3.1933 die letzten "freien" Reichtstagswahlen. Nach dem Ermächtigungsgesetz vom 23.3.1933 werden Hindenburg und Hitler am 25.3.1933 Ehrenbürger u. a. des Marktes Velden Zahlreich werden die Hindenburg- und Adolf-Hitler-Plätze.

Velden, Vils - Blick auf Adolf Hitlerplatz
(Slg. J. Kerscher)

In der ersten Sitzung des neuen Stadtrates Vilsbiburg (Zeitungsmeldung vom 12.5.1933) werden die gewählten SPD-Mitglieder Reindl und Obermüller aus dem Sitzungssal verwiesen und damit aus dem Stadtrat ausgeschlossen
Die Sitzverteilung erfolgte gemäß Ergebnis der Reichstagswahl.

1933 werden allein in Vilsbiburg 51 mißliebige Personen im Antsgerichtsgefängnis für durchschnittlich 7,6 Tage in Schutzhaft genommen. Der Veldener Kreisrat Hingerl wurde viermal verhaftet und sollte nach Dachau verlegt werden, in Taufkirchen kam er auf höhere Weisung wieder frei.  

Am 2.6.1933 wird die Ortsgruppe Vilsbiburg der Bayerischen Volkspartei mit "Rücksicht auf die jetzige politische Lage" aufgelöst.

1933 wird in Reisbach unter Parteipomp eine Adolf-Hitler-Gedächtniseiche gepflanzt.
(1945 wurde sie vor Eintreffen der Amerikaner wieder entfernt, ebenso die darunter liegende Urkunde mit den Namen der Unterzeichner).

1937 erhält Hitler den Ehrenbürgerbrief der Stadt Vilsbiburg.

1939 Verbot des Katholischen Burschenvereins in Eichendorf.

1940: Französische Kriegsgefangene leisten Arbeitsdienst im Vilstal

Französische Kriegsgefangene in Oberhausen vor dem Wäschewaschen in der Vils unter militärischer Bewachung
(Sammlung P. Haberl)

1941 erfolgte die Anordnung Kruzifixe in den Schulen gegen Hitlerbilder auszutauschen, dies konnte nicht in allen Schulen durchgesetzt werden. Auf Grund eines Verbots der Nationalsozialisten erscheint am 9. Mai 1941 die letzte Ausgabe der Veldener Zeitung

1942 mussten zahlreiche Glocken als Glockenspenden abgeliefert werden, von der Pfarrei Vilsbiburg 16 Stück mit einem Gewicht von über 12 Tonnen. Velden musste am 19.3.1942 drei Glocken der Pfarrkirche abliefern.
An einigen Orten waren hierfür Mauerdurchbrüche notwenidg.

Abtransport einer Veldener Kirchenglocke durch einen Mauerdurchbruch
(Slg. Heimatverein Velden)

In Vilsbiburg wurde auch der Soldat des Kriegerdenkmals abgenommen.

Vor den Kriegerdenkmalen des 1. Welkrieges häufen sich die Kreuze zum Andenken an die neu Gefallenen

Neue Grabkreuze vor dem Weltkrieg I-Kriegerdenkmal in Indersbach (ca. 1944)
(Slg. J. Winkler)

Gegen Ende des II. Weltkrieges stieg die Zahl der Schüler(innen) an den Schulen des Vilstales ab Februar 1945 von Woche zu Woche. Aus den Ostgebieten kamen zusätzliche Kinder.
In Vilsbiburg waren am 15. März aus luftbedrohten Gebieten 128 Schüler(innen) in der Vilsbiburger Volksschule.
Der Unterricht wurde wiederholt von Fliegeralarm unterbrochen.

Tiefflieger beschießen die Bahnstrecke Dorfen Velden, bei einem Angriff auf den Bahnhof Velden am 24.3.1945 werden zwei Frauen Opfer eines Luftangriffes.

Bereits vor Kriegsende treffen Vertriebene und Flüchtlinge im Vilstal ein. Hier wird eine Gruppe mit dem Pferdefuhrwerk vom Bahnhof Taufkirchen abgeholt und fährt in eine ungewisse Zukunft.

Das Schloß Adldorf war gegen Ende des Krieges vorübergehend Heim für ausgebombte Hamburger Kinder.
Bei Kriegsende besetzten die Amerikaner unter General Patton (vorher Gegenspieler Rommels in Nordafrika, bekannt aus dem Film "Der englische Patient") das Adldorfer Schloß und weitere Gebäude. Adldorfer Bürger wurden für einige Tage in die Umgebung evakuiert.

Gegen Ende des Krieges war ein Teil der ungarischen (tierärztlichen?) medizinischen Fakultät Budapests mit Lehrkörper und Studenten in Adldorf einquartiert.

Am 28. April 1945 erreichten die Reste eines KZ-Todesmarsches von KZ-Insassen aus Buchenwald (bei Marschbeginn 1600 Häftlinge, davon wurden etwa 1200 unterwegs mit Genickschuß an Waldrändern ermordet, etwa 100 konnten flüchten) über Dietelskirchen und Seyboldsdorf Vilsbiburg (jetzt noch ca. 250 Mann) und zogen dann Richtung Gars am Inn, ein Teil nach Seebruck weiter. Ein zweiter Todeszug kam aus Regensburg-Amhof (Außenlager des KZ Flossenbürg, zu Beginn 1000 Häftlinge, davon erreichten 300 Mann Burghauen). Insgesamt ca. 700 zogen, teils nachts, über die Bergstraße durch Vilsbiburg.
Ein dritter Hungermarsch aus Flossenbürg kam am 29.4. durch Gerzen. Ein vierter aus Flossenbürg (Zuchthausmarsch mit ursprünglich 4200 Gefangenen) endete am 30.4.1945 mit noch ca. 1000 Mann in Unterheldenberg bei Altfraunhofen. Die Häftlinge wurden von SS-Leuten mit Hunden bewacht. Ein Verscharrungskommando aus Häftlingen hinter den Kolonnen bergrub notdürftig die Toten; in der Umgebung Vilsbiburgs waren dies über 80 Personen.

An die Opfer der Todesmärsche um Vilsbiburg erinnert eine Gedenktafel am Vilsbiburger Friedhof

In der Nacht vom 30. April (Hitler begeht Selbstmord) zum 1. Mai u. a. Sprengung der Adldorfer Vilsbrücke durch ein miltärisches Sonderkommando. Sprengung der Veldener Vilsbrücken am 1. Mai um 14:30 in Sichtweite amerkanischer Panzer. Um 15 Uhr erreichen die ersten Amerikaner Velden, Veldener Bürger bekommen das Ultimatum binnen 2 Stunden Behelfsbrücken zu errichten. Um 16:30 können Panzer die Vils überqueren.

Die Amerikaner erreichen am 1. Mai 1945 Vilsbiburg, Reisbach, Aufhausen und Adldorf.

Amerikanischer Jeep in der Veldener Straße Vilsbiburg.
Die meisten Vilstaler sehen in diesen Tagen zum ersten Mal einen Farbigen.
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Amerikanische Panzer rollen durch Reisbach
(Aufnahme Markt Reisbach)

Am 8. Mai folgt die bedingslose Kapitulation der Wehrmacht.

Die gesprengten Brücken werden durch Provisorien ersetzt, hier in Vilsbiburg (Mai 1945),
rechts die zerstörte Brücke
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Die Amerikaner brachten auch eigene (in den Vereinigten Staaten gedruckte) Mark mit (Serie 1944!), das parallel zur Reichswährung gültig war und 1948 gleichwertig in (gleichfalls in den Staaten gedruckte) DM umgetauscht wurde

1 Mark der Alliierten, Serie 1944
(Sammlung A. Niedermayer)

Nach dem Weitermarsch der Amerikaner kam es angesichts der Notlage der Bevölkerung zu Plünderungen.

Warteschlange 1945 in Vilsbiburg
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

In Eichendorf wurden Geschäfte gestürmt, Nahrungsmittel und Kleidung mitgenommen.

Unter anderem in Velden trat die UNRA (Unites Nations Relief and Rehabilitation Administration) auf, eine Hilfsorganisation der Vereinten Nationen für Gefangene, Ostarbeiter, verschleppte Personen und Flüchtlinge. Diese entwickelte sich zum Schreckgespenst der Bevölkerung. Mitglieder übten blutige Rache, brandschatzten, plünderten und vergewaltigten. Allein im Landkreis Vilsbiburg werden Mitgliedern 100 Morde zugeschrieben. Die Untaten der UNRA blieben ungestraft. Ab 26.11.45 mussten Beschaffungen der UNRA von der Miltärregierung genehmigt werden. Das UNRA-Außenlager Velden wurde Ende September 46 aufgelöst, die beschlagnahmten Häuser wurden an die Besitzer zurückgegen.

Bis Ende Juli 1945 mussten im Bereich Vilsbiburg auf Anordung der US-Alliierten Parteimitglieder die Toten der Todesmärsche exhumieren.

(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Sie wurden im Vilsbiburger Friedhof beerdigt.

(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Für die Vilsbiburger bestand für die Zeremonie Anwesenheitspflicht.

In der Jugendstilkirche Dietelskirchen erinnert ein Glasfenster an die Toten der beiden Weltkriege.

In Vilsbiburg nehmen am 1. September 1945 die ersten Klassen wieder den Unterricht auf.
Die Schüler der Klassen 5 bis 8 haben erst ab 8. Januar 1946 wieder Unterricht.

Wegen der vielen Flüchtlingskinder waren bis über 70 Schüler in einer Klasse. Teilweise mussten die Schüler auf den Fensterbänken Platz nehmen.

Wurde die politische Vergangenheit von den amerikanischen Behörden positiv beurteilt, konnte die Neuausstellung einer Driver License beantragt werden.

Am 28.2.1946 vom Landrat des Kreises Vilshofen für den Aldersbacher P. Mayerhofer ausgestellte Driver License
(Slg. Fam. Mayerhofer)

Am Sonntag, den 20. Juni 1948 erfolgt die Umstellung auf D-Mark. In Velden bekommen nach Stammnummern stündlich 60 Bürger das neue Geld.

Aufruf zum Geldumtausch in Velden
(Gemeindearchiv Velden)

Der kleinste Geldschein: eine halbe D-Mark, aufgehoben in Eichendorf
(Slg. L. Kriegl)

Ab 1948/49 erhielten die nicht katholischen Kinder von Vilsbiburg (damals gab es noch die Bekenntnisschule) eine eigene Schule im „Johannis-Kinderheim“, Knaben und Mädchen hatten hier gemeinsam Unterricht im Gegensatz zu den katholischen Knaben und Mädchen, welche wie vor und während des Krieges getrennt unterrichtet wurden.

Zu den Besonderheiten der neuen Schulära nach dem Krieg gehörte eine „Neue Form der Gesundheitsvorsorge“,
die tägliche Einnahme eines Löffels Lebertran. Zu dieser Gesundheitsvorsorge gehörte auch die Ausgabe der Schülerspeisung von 1947–1951, die in Vilsbiburg im „Gsellenhaus“ verabreicht wurde. Im Landkreis Vilsbiburg allein waren Ende 1950 21 Kochstellen eingerichtet, die täglich Tagesportionen verteilten

Am 3.9.1950 besucht die Altöttinger schwarze Madonna auf der Rückreise von Passau nach Altötting Aunkirchen im unteren Vilstal

(Slg. H. Kehrer)

Nach der Währungsumstellung beginnt das Wirtschaftswunder, die Motorisierung schreitet rasch voran

1950:Der Marktplatz Vilsbiburgs wird dominiert vom VW-Käfer
(Slg. Ostermeier GmbH)

Bis 1955 werden weiter Care-Pakete verteilt.

Ausgabe von Carepaketen in Vilsbiburg
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Der Anteil Heimatvertriebener erreichte nach dem II. Weltkrieg ca. 1/3 der Bevölkerung. Im Bereich Frontenhausen fanden über 1000 Zuzügler Aufnahme.

1956 wurden die Toten der KZ-Hungermärsche exhumiert und in Flossenbürg beigesetzt. Der ursprüngliche Gedenkstein im Vilsbiburger Friedhof ist seither verschollen, 1998 wurde ein neues Mahnmal im Friedhof mit dem ursprünglichen Text errichtet.

Zur niederbayerischen Alternative des Volkswagens wurde das Goggomobil aus Dingolfing. Der niederbayerische Kleinstwagen wurde 284.491 mal gebaut; es gibt noch gut 2000 fahrtüchtige Exemplare.

Goggomobilannonce von 1956 des Aldersbacher Autohauses Hölzlberger.

Nach den Sprengungen des letzten Kriegstages 1945 querten bis in die Sechzigerjahre hölzerne Behelfsbrücken die Vils,

Hölzerne Behelfsbrücke in Adldorf ca. 1958
(Aufnahme H. Hagn)

1972 führte die Gebietsreform zu tiefgreifenden Veränderungen. Viele Gemeinderäte tagten zum letzten Mal.

Der letzte Adldorfer Gemeinderat von 1972
(Slg. L. Pleintinger)


zuletzt geändert am 11.06.2017, 09:39

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