Die von dem akademischen Bildhauer Michael Steinböck geschnitzte Eichendorfer Krippe

Der Eichendorfer Michael Steinböck (geb. 1867, gest. 1948) schnitzte für die Kirche St. Martin über 300 bis zu 75 cm große Krippenfiguren.
Von 122 sind nur noch die teils verschimmelten Köpfe mit Farbabplatzungen erhalten
von 10 Figuren nur die Körper.
23 Figuren hat die Eichendorfer Restauratorin Claudia Salzberger zu altem Glanz verholfen.

Michael Steinböck mit Sohn Johann (geb. 1901, gest. 1970) vor seiner Krippe, aufgebaut in der Seitenkapelle.
Dargestellt ist die Auferstehung Christi (um 1930).
(Foto A. Steindl, Slg. H. Seidl)

Hier der Zug der "Sterndeuter aus dem Osten" (Mathäusevangelium 2 Eu) auf ihren Kamelen;
im Mittelalter werden sie zu drei Königen.
(kolorierte Aufnahme von ca. 1930)

Die historische Kulisse ist nicht mehr vorhanden.

Maria, Josef und ein Hirte wurden 2020 neu eingekleidet.
Eine Figurenauswahl wird alljährlich in der Adventszeit auf dem rechten Seitenaltar aufgebaut.
Dargestellt werden nacheinander vier Szenen:
Mariä Verkündigung, Herbergssuche, die Geburt Jesu mit der Verkündigung an die Hirten und der Besuch der Hl. Drei Könige.

(Fotos H. Hagenburger 2023)

(Foto H. Hagenburger 2024)

Die Einzelfiguren:
Geburt Christi

    Die Heilige Familie    

Maria gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

Maria

Josef

In der Bibel wird nur die Futterkrippe erwähnt.
Dazu kommen schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten Ochs und Esel als Sinnbild für Juden und Heiden,
die beide durch Christus von ihren Lastern befreit werden.
 

Den Ochsen interpretierte Steinböck als expressionistische niederbayerische Fleckviehkuh. 
 

Der einfache, statische Esel auf einem einfachen Holzbrettchen könnte auch aus einer anderen Krippensammlung stammen?

Drei Engel schnitzte Steinböck für die Verkündigung der frohen Botschaft.
 

 

Als erste verehren Hirten das Neugeborene.

In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude.

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.

Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Auf die Hirten folgen die Heiligen Drei Könige
als Vertreter der ganzen (damals bekannten) Welt.

Caspar, als Vertreter Afrikas, bringt hier Weihrauch als Gabe für den künftigen Hohepriester Israels.

Der Europäer Melchior schenkt dem neugeborenen König Gold.

 

Der Asiate Balthasar bringt die Heilpflanze Myrrhe als Gabe für den Heiler (Heiland)
und als Zeichen des sterblichen Menschen, der mit Myrrhe einbalsamiert ins Grab gelegt wird.

Weitere Figuren

 

Die schwarzen Hände stammen vermutlich von einer anderen Figur.

 

Drei Auferstehungsengel

1983 übernahmen Sepp Hagenburger und der 1978 aus Polen übergesiedelte
Michael Sossnowski (geb. 29.3.1958, gest. 31.10.2003)
die Betreuung der Krippe.

Auf Anregung von Pfarrer Demmler (Pfarrer in Eichendorf von 1958 bis 1988)
mechanisierte Sossnowski die Steinböck-Krippe
nach Vorbildern seiner polnischen Heimat unter Verwendung der steinböckschen Figuren.

Im Advent 1983 war der Unterbau fertig, sodass in den nacheinander aufgebauten sechs Szenen,
Verkündigung, Herbergssuche, Geburt, Heilig-Drei-König, Flucht nach Ägypten und Leben in Nazareth,
die Glocke im Glockenturm läutete, Lagerfeuer flackerten, der Schöpfbrunnen lief, ein Strahlenglanz leuchtete, Holz gesägt, Josef Holz hackte und der Jesusknabe hobelte.

Michael Sossnowski vor seiner neu mechanisierten Krippe,
aufgestellt zwischen den beiden Beichtstühlen an der Kirchenrückwand (1983?)

Die Krippe wuede ein beliebtes Ausflugsziel für Großeltern mit ihren Enkeln.
Nach Einwurf eienr Münze in das Kästchen links setzte sich die Mechanik in Bewegung.
300 bis 400 Mark kamen so in der Weihnachtszeit zusammen.
(Foto M. Sossnowski)

Die Geburt Christi mit elektrifiziertem Strahlenkranz (1983)
(Foto M. Sossnowski)

Mariä Verkündigung (1990)
(Foto M. Sossnowski)

Die Flucht nach Ägypten (1990)
(Foto M. Sossnowski)

Jesus hobelt, Josef hackt Holz (1990)
(Foto M. Sossnowski)

Sossnowski ließ sich von Pilgern Steine aus Bethlehem und Jerusalem mitbringen.
Er baute diese in die Inszenierung ein und erläuterte in Führungen wissenswerte Einzelheiten.

Michael Sossnowski stirbt am 31.10.2003 im Alter von nur 45 Jahren.

Seit der Innen­re­no­vie­rung der Kirche 2015 mit dem Einbau der Sebastiani-Werktagskapelle unter der Empo­re wird die mechanisierte Krippe aus Platzgründen nicht mehr in der Kirche aufgebaut.

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Die Eichendorfer Pfarrkirche St. Martin mit Öllingerkreuz und Flurbereinigungskreuz Rohrbach 
Die sechs ehemaligen Eichendorfer Brauereien


zuletzt geändert am 09.01.2024, 13:09

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